Hunderte Umweltaktivisten sind in den Braunkohletagebau Garzweiler gelangt und haben damit vorübergehend den Betrieb dort gestoppt. Das Bündnis Ende Gelände hatte zu der Aktion aufgerufen. Braunkohlekraftwerke seien mitverantwortlich für einen "unumkehrbaren Klimawandel", der "die Lebensgrundlage von immer mehr Menschen weltweit zerstört", heißt es in einer Mitteilung des Bündnisses.

RWE Power als Betreiber stoppte wegen der Gefährdung die Betriebsanlagen, wie ein Sprecher bestätigte. Die Polizei begann am Nachmittag, etwa 30 Umweltaktivisten, die auf den Bagger geklettert waren, wegzubringen. Zuvor hatten Teilnehmer des Aktionsbündnisses eine Polizeisperre durchbrochen.

Die Klimaschutz-Organisation 350.org berichtet, dass sich etwa 600 Demonstranten im unmittelbaren Abbaugebiet befinden. Die tageszeitung spricht von "mehreren 100 Menschen", einer ihrer Reporter schätzt die Teilnehmerzahl auf 750. Über Stunden war es im Tagebau immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Aktivisten gekommen. Die Polizei setzte nach Angaben eines Sprechers auch Pfefferspray und Schlagstöcke ein. 1.200 Beamte waren im Einsatz.

Die Polizei agiere überfordert, twitterte ein taz-Reporter. Er hatte Aktivisten in den Tagebau begleitet und war anschließend von der Polizei des Ortes verwiesen worden; auch weitere Journalisten seien daran gehindert worden, über die Demonstration zu berichten.


"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Polizisten mit Stöcken und Tränengas auf die Demonstranten losgegangen sind, es gab mehrere Verletzte", sagte die Sprecherin des Bündnisses, Mona Bricke, der Rheinischen Post. Die Polizei wollte zunächst nicht bestätigen, dass Aktivisten verletzt oder festgenommen wurden.

Die Aktivistin wertete die Aktion als Erfolg: "Aktuell sieht es so aus, als stehen tatsächlich alle Bagger still", sagte Bricke. Die Staatsanwaltschaft betrachtet den Protest als Hausfriedensbruch: "Vielen ist auch einfach nicht bewusst, wie gefährlich es ist, ungeschützt in einen Tagebau zu gehen. Für die Demonstranten besteht dort enorme Gefahr", sagte ein Polizeisprecher.

RWE Power kündigte an, gegen die Störer juristisch vorzugehen. Sie gefährdeten ihr eigenes Leben und das anderer. Arbeiter des Energieriesen hatten am Samstag für den Erhalt ihrer Jobs demonstrieren wollen; die Aktion sei dann aber abgebrochen worden, teilte das Unternehmen mit.

Währenddessen hat in Immerath eine Demonstration gegen den Kohleabbau in dem zukünftigen Abbaugebiet begonnen. In den vergangenen Jahren gab es nahe Garzweiler immer wieder Protestaktionen gegen den Braunkohleabbau. Im April hatten Tausende Menschen gegen den Tagebau demonstriert. Für diesen werden auch künftig Orte planiert. So wurden kürzlich die Bewohner von Immerath umgesiedelt, 2017 kommen die Bagger.