Ein Sturm hat in der Karibik gewaltige Schäden angerichtet. Mindestens 35 Menschen kamen in dem Wetterchaos ums Leben, das der Sturm auf der Insel Dominica auslöste, wie der dominikanische Ministerpräsident Roosevelt Skerrit in einer Fernsehansprache sagte. Allein in der Ortschaft Petite Savanne im Südosten des Landes gab es 27 Opfer nach einer Schlammlawine, wie örtliche Medien berichteten. Hunderte Häuser, Brücken und Straßen seien zerstört worden. Dies werfe die Karibikinsel in ihrer Entwicklung um 20 Jahre zurück. Da laut Behördenangaben weiterhin Dutzende Menschen vermisst werden und einige entlegene Gemeinden immer noch nicht erreicht werden konnten, dürfte die Opferzahl weiter steigen.

Fast 40 Zentimeter Regen überflutete die bergige Insel. "Das Ausmaß der Zerstörung ist monumental", sagte Regierungschef Skerrit. "Es ist weitaus schlimmer als befürchtet. Wir müssen im Wesentlichen Dominica neu aufbauen." Ein Wiederaufbaurat werde gebildet, um Wege aus der Tragödie zu finden, sagte Skerrit. Er bat die etwa 70.000 Einwohner seines Landes, ihre Lebensmittel und andere notwendige Güter miteinander zu teilen. "Dies ist eine Zeit der Tragödie", sagte er. Der Flughafen des Landes blieb weiterhin geschlossen. 

Dominica liegt in den französischen Antillen zwischen Guadeloupe und Martinique. Mit rund 750 Quadratkilometern ist die Insel etwas kleiner als Berlin.


Fernsehbilder des Senders CNN zeigten, wie Hochwasser Straßen und Dörfer in Dominica überfluteten. Erika zog anschließend in Richtung der Insel Hispaniola weiter. Heftiger Sturm riss auch in der Dominikanischen Republik und Haiti Bäume um und kappte Stromleitungen, der Regen schwemmte Autos fort und brachte Baugerüste zum Einsturz. Niederschläge wurden auch in Teilen der Jungferninseln, Puerto Ricos, der Turks- und Caicosinseln und der Bahamas, sowie im Osten Kubas erwartet. Mehrere Karibikstaaten gaben eine Tropensturmwarnung aus. Zuletzt verlor der Sturm jedoch an Intensität.

US-Staat Florida ruft den Notstand aus

Das US-Hurrikanzentrum in Miami (NHC) rechnete damit, dass der bis zu 85 Stundenkilometer schnelle Tropensturm in Richtung Norden ziehen werde. Dort würden hohe Berge ihn vermutlich abflauen lassen. Laut einem Meteorologen des Zentrums sollten die Einwohner des US-Staates Florida dennoch wachsam sein, weil die Möglichkeit bestehe, dass der Sturm über Kuba wieder an Stärke gewinne.

Das Zentrum des Sturms befand sich etwa 45 Kilometer südöstlich der Hauptstadt von Haiti, Port-au-Prince. Seine maximale Windgeschwindigkeit fiel leicht auf 75 Kilometer pro Stunde. In der Dominikanischen Republik brachte Erika heftige Regengüsse über den beliebten Touristengebieten in Punta Cana, Samana und Puerto Plata sowie in der Hauptstadt Santo Domingo. In Puerto Rico waren mehr als 200.000 Menschen vorübergehend ohne Strom. Schulen und Behörden blieben geschlossen.

Floridas Gouverneur Rick Scott rief für seinen Staat den Notstand aus. Erste Ausläufer von Erika würden hier für den späten Sonntagabend oder Montagmorgen erwartet und der Sturm eine ernsthafte Bedrohung, sagte er. Unter anderem wurden die 8.000 Mitglieder der Nationalgarde in Alarmbereitschaft versetzt. Sie haben jetzt mehrere Tage Zeit, sich auf die Ankunft des Tropensturms vorzubereiten.

Die US-Katastrophenschutzbehörde Fema bereitete sich darauf vor, Menschen von einem Einsatzzentrum mit Wasser, Essen, Decken und anderen Hilfsgütern zu versorgen. Das Weiße Haus appellierte an betroffene Bürger, sich in Medien über die Lage zu informieren und Anweisungen "gewissenhaft" zu befolgen.