Nach den Krawallen am Todestag des schwarzen Teenagers Michael Brown haben die Behörden vorbeugend den Ausnahmezustand über die US-Kleinstadt Ferguson verhängt. Die Anordnung gilt für den gesamten Bezirk St. Louis im Bundesstaat Missouri. Damit ging die Leitung des Polizeieinsatzes in Ferguson an die Bezirksbehörden über.

Der Chef der Bezirksregierung von St. Louis, Steve Stenger, sagte, er sehe sich "angesichts der gewaltsamen Unruhen", die das "Potenzial des Schadens für Personen und Besitz" hätten, zu diesem Schritt genötigt.

In der Nacht zum Montag war eine friedliche Gedenkfeier für Brown in dem Vorort von St. Louis in Gewalt umgeschlagen. Nach einer Schießerei zwischen zwei Gruppen hatte ein junger Mann auch das Feuer auf Polizisten eröffnet. Die Beamten schossen zurück und verwundeten ihn schwer. Bei dem Schützen handelt es sich nach Behördenangaben um einen 18-Jährigen, gegen den ein Strafverfahren wegen des Angriffs auf einen Polizeibeamten eingeleitet wurde. Die Schießerei stehe nicht direkt mit der Gedenkfeier in Verbindung, teilten die Behörden mit.

Aktivisten der Black-Lives-Matter-Bewegung hatten zu einem Tag des zivilen Ungehorsams aufgerufen. Bei einem Protest vor dem Justizministerium in St. Louis wurden 50 Demonstranten festgenommen, unter ihnen namhafte Bürgerrechtsaktivisten wie Cornel West und der Pfarrer Osagyefo Sekou. Auch die Aktivisten DeRay Mckesson und Johnetta Elzie wurden festgenommen, beide in Ferguson angesehene Bürgerrechtsaktivisten.

Die Demonstranten hatten sich zu einem Sit-in versammelt und wurden wegen unerlaubten Betretens des Geländes in Polizeigewahrsam genommen.

Am Sonntag hatten in Ferguson rund 300 Menschen bei einer Kundgebung an das Schicksal von Michael Brown erinnert. Am Abend heizte sich die Stimmung auf, zwei Geschäfte wurden geplündert. Aus der Menge flogen Gegenstände auf Polizisten, die eine Hauptstraße abriegelten. Ein Beamter wurde laut Polizei von einem Pflasterstein im Gesicht getroffen und verletzt.

Brown war am 9. August 2014 nach einer Auseinandersetzung mit dem weißen Polizisten Darren Wilson mit mehreren Schüssen getötet worden. Wilson wurde nicht angeklagt, obwohl der Jugendliche unbewaffnet gewesen war. Browns Tötung und der spätere Verzicht auf einen Strafprozess hatten in Ferguson und zahlreichen anderen Städten der USA zu teils gewalttätigen Protesten geführt. An dem Fall entzündete sich eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt.