Auf der griechischen Insel Kos ist es zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und der Polizei gekommen. Mehrere Polizisten setzten Schlagstöcke gegen Migranten ein, während andere Polizisten versuchten, die Menge mit einem Feuerlöscher am Verlassen eines Fußballstadions zu hindern.

Nach Angaben der Polizei kam es zu den Ausschreitungen, nachdem einige Flüchtlinge bei der Registrierung in dem Stadion eine Beschleunigung des Vorgangs gefordert hatten. Daraufhin sei es zu Schiebereien gekommen, die nach einer Reaktion der Polizei in Ausschreitungen mündeten. In dem Stadion sind derzeit bis zu 1.500 Flüchtlinge untergebracht. Zuvor hatten zahlreiche Migranten im Stadion einen Sitzstreik begonnen und die Behörden lautstark aufgefordert, sie mit Nahrung zu versorgen. 

Kos ist eines der Zentren der Flüchtlingskrise im Mittelmeer. Täglich kommen Hunderte Menschen von der nur wenige Seemeilen entfernten türkischen Küste auf der Insel an. Hilfsorganisationen, der Staat und die Bevölkerung sind von der Situation überfordert. Ähnlich ist die Situation auf zahlreichen anderen Inseln im Osten der Ägäis. 

Der Bürgermeister der Hauptstadt, Giorgos Kiritsis, brachte seine Verzweiflung in einem am Dienstag in griechischen Medien veröffentlichten Brief an die Regierung in Athen zum Ausdruck. "Die Gefahr eines Blutvergießens ist real", schreibt Kyritsis. Die Situation sei außer Kontrolle. Zuletzt seien mehr als 7.000 Flüchtlinge auf Kos angekommen. Man könne mit dem Problem nicht mehr alleine fertig werden.

Claudia Roth nennt Unterbringung unmenschlich

"Für die Flüchtlinge ist die Unterbringung auf Kos gerade die Hölle auf Erden", sagte auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), die sich derzeit auf Kos ein Bild von der Lage macht. "Hier herrscht Chaos. Und die Spannungen werden immer größer." In dem Stadion, das als zentrale Auffangstelle dient, sei es barbarisch heiß. Es gebe nur zwei Toiletten für Hunderte Flüchtlinge. "Das ist unmenschlich. Ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte Roth.

Roth beklagte, dass es für die Flüchtlinge auf Kos keine ausreichende Versorgung gebe. "Es fehlt an allem", sagte Roth. Den Flüchtlingen werde praktisch die Erste Hilfe verweigert. Die Menschen bräuchten dringend Essen, Kleidung, Unterkünfte und medizinische Versorgung. Zwar seien verschiedene Behörden involviert, die Verantwortung aber werde hin- und hergeschoben, während die Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Helfer allmählich am Ende ihrer Kräfte seien.

Roth appellierte an die Regierung in Athen, sich endlich um eine Versorgung der Schutz suchenden Menschen zu kümmern. "Die Tragik ist, dass zwei Krisen zusammenkommen", sagte die Grünen-Politikerin. Die griechische Regierung müsse aber trotz der Finanzkrise dringend handeln. Auch Europa müsse helfen.