Vor der Küste Libyens sind möglicherweise Hunderte Flüchtlinge bei einem Bootsunglück ertrunken. Das mit mehreren Hundert Migranten besetzte Fischerboot sei gekentert, teilte die italienische Küstenwache mit. Bisher wurden 400 Menschen gerettet. 25 Leichen wurden geborgen, wie die italienische Küstenwache mitteilte. Das Unglück ereignete sich etwa 35 Kilometer vor der Küste. 

Wie viele Menschen genau an Bord waren, war zunächst unklar. Die Malteser Hilfsorganisation Migrant Report rechnet mit bis zu 600 Toten. Nach Informationen des Fernsehsenders SkyNews24 befanden sich 700 Menschen auf dem Boot.

Laut der Times of Malta kenterte das voll besetzte Boot, als sich ein Rettungsschiff näherte und die Menschen auf dem Boot versuchten, die Retter zu erreichen. Mehrere Marineschiffe waren an der Unglücksstelle im Einsatz, nachdem am Morgen ein Hilferuf abgesetzt worden war.

Nach Angaben der UN sind in diesem Jahr bisher 137.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflohen. "Europa erlebt eine maritime Flüchtlingskrise von historischem Ausmaß", hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) Anfang Juli mitgeteilt. Die Zunahme im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dramatisch: Die Zahlen stiegen um 83 Prozent.

Immer wieder kentern Boote während der gefährlichen Überfahrt. In den ersten drei Monaten des Jahres kamen nach UNHCR-Angaben 479 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ums Leben oder werden noch vermisst. Allein im April stieg die Zahl drastisch auf 1.308 Tote und Vermisste.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) veröffentlichte am Dienstag eine vorläufige Bilanz für das Jahr 2015. Demnach sind in den ersten sieben Monaten des Jahres mehr als 2000 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen. Die tödlichste Route ist die von Libyen nach Italien.

Mehr zu den viel genutzten Routen der Flüchtlinge, erfahren Sie in diesem Video.