Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) schämt sich für ihre Landsleute, die Flüchtlinge anfeinden und vor Aufnahmestellen protestierten. "Ich schäme mich oft selbst – zum Beispiel wenn ich manche verbiesterte Kommentare von Sachsen höre oder lese", sagte sie der ZEIT. Es schüttele sie, wenn sie Einträge auf Facebook lese. "Ich weiß nicht, woher die teils vulgäre, fremdenfeindliche und menschenverachtende Ausdrucksweise kommt."

Besonders erschrecke sie, wie Sachsens Bürger den Flüchtlingen begegnen würden. "In Sachsen erleben wir teilweise den blanken Hass. Das muss man deutlich so sagen." Es gebe zu viele Stimmen, die Flüchtlinge total ablehnen. 

Die Zahl der Übergriffe auf Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte war in den ersten sechs Monaten dieses Jahres stark gestiegen. Im Juli waren es bereits mehr Übergriffe als im gesamten Jahr 2014. In Sachsen waren mehrere bewohnte und unbewohnte Flüchtlingsunterkünfte angegriffen worden – in Meißen, Böhlen, Lunzenau und Dresden.

Welche Zustände in diesen Unterkünften herrschen, berichteten vergangene Woche zwei Mediziner ZEIT ONLINE. In der Dresdner Zeltstadt spiele sich eine humanitäre Katastrophe ab. "Ich habe schon als Medizinstudent in Townships in Südafrika gearbeitet: Selbst unter den dortigen Bedingungen wurde mehr dafür getan, den Menschen zu helfen", sagte der Arzt Kai Löwenbrück.