Ein Mann hat in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris mit einer Schusswaffe das Feuer eröffnet und zwei Menschen schwer verletzt. Zwei Fahrgäste aus den USA hätten ihn überwältigt und so möglicherweise ein "furchtbares Drama" verhindert, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitagabend. Er beschrieb den mutmaßlichen Täter als extrem gewalttätig. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog den Fall an sich.

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel sprach von einem Terrorangriff, die ermittelnden französischen Behörden äußerten sich vorsichtiger. Motiv und Identität des Täters seien noch unklar.

Der Mann war am frühen Freitagabend im nordfranzösischen Bahnhof Arras der Polizei übergeben worden. Die Schüsse fielen dagegen nach Angaben des Élysée-Palastes noch auf belgischem Gebiet. Wie französische Medien übereinstimmend berichteten, erlitt ein Passagier eine Schussverletzung, ein zweiter wurde mit einem Messer verletzt. Bei mindestens einem von ihnen handelt es sich um einen der US-Bürger.

Hintergründe der Tat bislang unklar

Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete am späten Abend, die Verletzten seien nicht in Lebensgefahr. Der Sprecher des Innenministeriums hatte zunächst von lebensgefährlichen Verletzungen eines Opfers gesprochen.

Unter Verweis auf das Umfeld der Ermittlungen hieß es, die Polizisten hätten bei dem Mann ein Kalaschnikow-Sturmgewehr, eine Automatik-Pistole, neun Magazine und ein Cutter-Messer gefunden. Innenminister Cazeneuve betonte, es sei üblich, dass die für Terrorismus zuständige Pariser Staatsanwaltschaft einen Fall übernimmt, wenn Taten "einen terroristischen Charakter" aufweisen könnten. Im Hinblick auf erste Spekulationen zum Hintergrund des Mannes rief er zu Vorsicht und Zurückhaltung auf.

"Alles wird getan, um Licht in dieses Drama zu bringen", versprach der französische Präsident François Hollande. Er vereinbarte mit Belgiens Premierminister Michel, bei der Aufklärung der Tat eng zusammenzuarbeiten.

Frankreichs Regierungschef Manuel Valls sprach den beiden Amerikanern, die den Mann stoppten, auf Twitter seine Dankbarkeit aus. Nach Angaben der Regionalzeitung La Voix du Nord handelte es sich um US-Militärs. Unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft schrieb das Blatt, sie hätten gehört, wie der Mann in der Toilette eine schwere Waffe durchgeladen habe, daraufhin seien sie eingeschritten. Die Männer wurden in sozialen Netzwerken als Helden gefeiert. An Bord des Thalys war nach Angaben Cazeneuves auch der Schauspieler Jean-Hugues Anglade, der sich bei dem Zwischenfall leicht verletzte.

Der Innenminister kündigte an, dass sich zu weiteren Details die Staatsanwaltschaft äußern werde, wenn nähere Erkenntnisse vorliegen.