Die dritte Nacht in Folge ist es im sächsischen Heidenau zu Ausschreitungen gekommen. In der Nähe einer Asylunterkunft in einem ehemaligen Baumarkt trafen Angehörige der linken Antifa-Szene auf Mitglieder der rechtsradikalen Szene. Augenzeugen sprechen von einigen Verletzten. Zuvor hatten rund 300 linke Demonstranten friedlich vor der Unterkunft demonstriert und Willkommensgrüße für Flüchtlinge skandiert. Beim Abzug zum Bahnhof, den die Polizei begleitete, kam es dann zu den Übergriffen. Die Polizei ging dazwischen und setzte Reizgas ein.

Laut einem Bericht des Tagesspiegel waren rund 300 vermummte linke Demonstranten aus Dresden am Sonntagabend in Heidenau angekommen, um gegen die rechten Demonstranten zu protestieren. Der Protest blieb zunächst friedlich. Die Polizei habe "massiv und konsequent" Präsenz gezeigt, gegen rechte und linke Demonstranten. Auch ein Wasserwerfer war positioniert worden, jedoch nicht zum Einsatz gekommen. 

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) will am Montag die Flüchtlingsnotunterkunft in Heidenau besuchen. Auf Einladung von Sachsens stellvertretendem Ministerpräsidenten Martin Dulig (SPD) will sich Gabriel ein Bild von der Situation machen – als erstes Mitglied der Bundesregierung. Der SPD-Chef hat dafür die Route seiner Sommerreise geändert. 

Heidenau - Ausschreitungen zwischen Linken und Rechten vor Flüchtlingsunterkunft Vor der Flüchtlingsunterkunft in Heidenau haben 300 Linke gegen die Rechtsradikalen demonstriert. Vizekanzler Gabriel reist nach Sachsen, um die Flüchtlinge zu besuchen.

Sonderbereich rund um die Flüchtlingsunterkunft soll Kontrollen erleichtern

Seit Sonntagabend gilt um die Unterkunft ein besonderer Kontrollbereich, in dem die Polizei ohne Anlass Personalien feststellen und Taschen etwa auf Waffen oder Feuerwerkskörper überprüfen kann. Außerdem können leichter Platzverweise ausgesprochen werden. "Die Befugnisse der Polizei sind dort deutlich höher, sodass also nicht nur unmittelbar hier vor Ort, sondern auch im Stadtgebiet identitätsfeststellende Maßnahmen durch die Polizei durchgeführt werden können", sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU). Er hatte im Vorfeld einen Kontrollbereich rund um die Notunterkunft angekündigt.   

Sachsens Regierung hat die Krawalle vor dem Flüchtlingsheim verurteilt. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte nach einem Besuch der Notunterkunft am Sonntag, in Heidenau seien Grenzen überschritten worden. "Egal ob Asylbewerber, Hilfskräfte oder Polizisten aus blindem Hass angegriffen werden: Dieses ist nicht tolerabel und dementsprechend auch mit aller Konsequenz zu verfolgen." Der Staat werde sein Gewaltmonopol durchsetzen.

Tillich mahnte zu Toleranz und Hilfsbereitschaft und warnte vor fremdenfeindlicher Hetze. Die Gewalt gegen Flüchtlingsheime hatte am Wochenende einen neuen Höhepunkt erreicht: Hunderte Rechtsextreme lieferten sich vor einer Notunterkunft in Heidenau bei Dresden Straßenschlachten mit der Polizei. Dutzende Beamte wurden verletzt.