Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat sich erschüttert über die wiederholten Ausschreitungen gegen eine Asylbewerberunterkunft in Heidenau geäußert. "Das ist Menschenhass mit erschreckender Gewalt gegen Polizisten und gegen Flüchtlinge, die bei uns Schutz suchen", sagte er. "Wir lassen uns das nicht bieten, wir werden mit aller Macht dagegen vorgehen." Hier verstoße eine Minderheit "brutal" gegen Werte und Gesetze Deutschlands. "Das ist nicht unser Sachsen."

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) kündigte auf Facebook die Einrichtung eines Kontrollbereiches rund um die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau an. So sollten potenzielle Gewalttäter frühzeitig identifiziert werden können.

Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckhardt, kritisierte dagegen die Politik der sächsischen Landesregierung. "Einzelne Krawalle kann man nie ausschließen. Wenn aber ein rechter Mob in zwei Nächten nacheinander Menschen bedrohen kann, dann ist das Gewaltmonopol des Staates in Gefahr. Heidenau ist eine direkte Folge der falsch verstandenen Toleranz der sächsischen Landesregierung gegenüber Pegida."

Göring-Eckhardt machte auch Angela Merkel Vorwürfe. "Ich warne vor einem neuen rechten Terrorismus à la NSU. Die Zögerlichkeit von Angela Merkel, hier die richtigen Worte zu finden, kann ich nicht mehr verstehen", sagte sie.   

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Vorgänge in Heidenau als "beschämend für unser Land". Er sagte dem Tagesspiegel: "Diejenigen, die gegenüber Flüchtlingen, egal aus welchen Gründen sie nach Deutschland gekommen sind, Hass und Angst schüren und die Polizeibeamte angreifen und verletzen, stellen sich außerhalb unsere Wertegemeinschaft".

Weiter sagte de Maizière: "Jeder Flüchtling, der zu uns kommt, egal aus welchen Motiven, hat ein Recht darauf, sicher und vernünftig untergebracht zu werden. Jeder, der das infrage stellt, sollte sich nur für einen Moment in die Situation der Flüchtlinge versetzen. Jeder, der die Flüchtlinge beleidigt oder gar tätlich angreift, wird die volle Konsequenz des Rechtsstaats zu spüren bekommen. Wir werden uns das nicht gefallen lassen."

Am Sonntag besucht Stanislaw Tillich die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau. Am Montag will Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nach Heidenau reisen.

In Heidenau war es in der Nacht zu Sonntag zum zweiten Mal in Folge zu Ausschreitungen gekommen. Rechte Demonstranten bewarfen Einsatzkräfte mit Flaschen, Feuerwerkskörpern und Baustellenmaterialien. Dabei wurden zwei Beamte verletzt. Zuvor hatten sich neben 250 rechten Demonstranten ebenso viele Gegendemonstranten zusammengefunden. Die Polizisten hielten beide Gruppen voneinander getrennt, wurden aber schließlich von den Rechten angegriffen.

Die Polizei nahm Ermittlungen unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs auf. Ein Demonstrant wurde vorläufig festgenommen. Darüber hinaus sprach die Polizei 65 Platzverweise aus und stellte die Identität von 23 Menschen fest. 33 Polizisten waren in der Nacht zum Samstag verletzt worden.