Unter dem Vorwurf der Hexerei sind in einem indischen Dorf fünf Frauen zu Tode geprügelt worden. Bewohner hätten die Frauen aus ihren Häusern gezerrt und mit Stöcken und Eisenstangen auf sie eingeschlagen, sagte ein Polizeisprecher. Die Morde ereigneten sich in dem Dorf Kanjiya Maraitoli 40 Kilometer westlich von Ranchi, der Hauptstadt des Bundesstaats Jharkhand im Osten Indiens.

Die Dörfler hätten die Frauen für mehrere Krankheiten, Missernten und Unglücksfälle verantwortlich gemacht. Unter anderem dafür, dass in den letzten Monaten vier Kinder nach langen Krankheiten gestorben waren. Die Frauen seien beschuldigt worden, durch Hexerei den Tod der Kinder verursacht zu haben.

Die Polizei nahm 24 Menschen fest. Dem Sprecher zufolge hielten die Dorfbewohner nach der Tat zusammen und behaupteten, sie alle hätten die Morde begangen.

In abgelegenen und armen Teilen Indiens ist der Glaube an Hexen und okkulte Kräfte bis heute weit verbreitet. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Angriffen auf Frauen, denen Schwarze Magie vorgeworfen wird. Im Juli hatten Dorfbewohner im nordöstlichen Bundesstaat Assam eine 63-Jährige geköpft und zerstückelt, der sie vorwarfen, einen Fluch über sie gebracht zu haben.

Laut der indischen Kriminalstatistik wurden zwischen 2000 und 2012 rund 2.000 Menschen wegen angeblicher Hexerei getötet, die meisten davon Frauen. In Jharkhand wurden allein 54 der 160 "Hexenmorde" im Jahr 2013 verübt.

In einigen indischen Bundesstaaten sind Gesetze gegen Hexenverfolgung erlassen worden, die jedoch im Alltag kaum durchgesetzt werden. Die Regierung des Staates Jharkhand verurteilte das jüngste Verbrechen: In aufgeklärten Zeiten sei solch ein Vorfall traurig und die Gesellschaft müsse darüber nachdenken.