Bisher weiß niemand mit Sicherheit, wer den Brandanschlag auf das Ehepaar Lohmeyer in Jamel verübt hat. Doch es spricht einiges dafür, dass Nazis wieder einmal versucht haben, jemand Unliebsamen aus dem Dorf zu vertreiben.

Es ist, so muss man das sagen, ihr Dorf. Jamel ist nicht neu auf der Landkarte der Unmenschlichkeit. Hier wird es wohl so bald keine Solidaritätsdemos für Asylbewerber geben. Und wenn es nun heißt, der Ort sei von Rechtsextremen dominiert, wird sich auch kaum jemand beschweren. Ganz im Gegenteil: Geht es nach ihnen, sollen es alle wissen.

Die Geschichte Jamels nach der Wende ist zum Gruseln: Bewaffnete Nazis, offene NS-Propaganda und immer wieder Brandanschläge. Betroffen waren Menschen, die den Nazis nicht passten. Rechtsextreme sind hier keine stillschweigend geduldete Gruppe Gewaltbereiter. Sie sind, das ist seit Jahren gut dokumentiert, die Mehrheit. Schon 2007 hatte der damalige Ortsbürgermeister Wandel das Dorf öffentlich abgeschrieben: "Wir haben Jamel aufgegeben."

Da muss doch jemand was unternehmen, denkt man. Da muss der Gesetzgeber aktiv werden, da müssen die Medien berichten, da müssen doch die demokratischen Bürger aufstehen und sich klar gegen Nazis positionieren.

Das Beklemmende ist, dass all das bereits geschehen ist. Jährlich veranstalten die Lohmeyers ihr Festival gegen den Rechtsextremismus unter Schirmherrschaft der Landtagspräsidentin; ein Versuch dieses unglaublich mutigen Ehepaares, die Nazis wenigstens für zwei Tage zu verdrängen. In zwei Wochen sollte das nächste stattfinden. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat sich den Ort persönlich angeschaut. Der Landesregierung kann man, anders als der sächsischen, auch insgesamt nicht den Vorwurf machen, den Rechtsextremismus im Land zu verniedlichen.

Und doch sehen die Nazis bis heute keinen Grund, sich zu verstecken. Die bittere Wahrheit ist, dass es ihnen in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in anderen Bundesländern des Ostens gelungen ist, ganze Gemeinden unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie haben mithilfe von Gewalt und Einschüchterung Zonen geschaffen, in denen sie de facto regieren. Ganz so, wie sie sich das Anfang der neunziger Jahre vorgenommen haben.