Brandanschläge auf Flüchtlingsheime in Deutschland werden größtenteils nicht aufgeklärt. In weniger als jedem sechsten Fall von fremdenfeindlichen Angriffen gelang es der Polizei dieses Jahr, Verdächtige zu ermitteln. Das ergaben Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung.

Demnach registrierte die Polizei in diesem Jahr bisher 61 Brandstiftungen mit einem möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund, allein 37 waren es seit Mitte Juli. Nur in zehn Fällen konnten die Beamten Verdächtige feststellen.

40 Anschläge wurden demnach auf bewohnte Einrichtungen begangen, 21 auf geplante Unterkünfte. Allein in Sachsen versuchten Täter 15 Mal, Flüchtlingsunterkünfte in Brand zu stecken. Die Behörden des Freistaates ermittelten aber insgesamt nur drei Verdächtige.

Der Leiter des zuständigen Operativen Abwehrzentrums (OAZ) in Leipzig, Bernd Merbitz, begründete die geringe Aufklärungsquote mit dem großen Kreis möglicher Täter. "Wir haben es mit der ganzen Breite der Bevölkerung zu tun. Es ist nicht immer der klassische Rechtsextremist, der schon viele Vorstrafen hat", sagte Merbitz dem ARD-Magazin Panorama. Viele Täter seien vor der Tat strafrechtlich nicht aufgefallen.

Auch Maren Brandenburger, Leiterin des Landesamts für Verfassungsschutz in Niedersachsen, sagt, fremdenfeindliches Denken scheine insgesamt als Bodensatz in der Gesellschaft vorhanden zu sein. "Da verüben junge Leute Taten und wähnen sich dabei in der Sicherheit einer Gemeinschaft, innerhalb derer dieses Denken salonfähig ist."

Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte werden bisher nicht offiziell statistisch erfasst. Der Rechercheverbund hatte jedoch bei den zuständigen Behörden angefragt und jene Fälle gesammelt, in denen Polizei und Staatsanwaltschaft von einer Brandstiftung ausgehen und zu möglichen fremdenfeindlichen Motiven ermitteln.

Das BKA selbst wertet zwar die Angriffe aus und gibt auf Anfrage Daten heraus. Allerdings weist es Brandstiftungen nicht separat aus. Im gesamten Jahr 2014 verzeichnete das BKA 28 rechtsmotivierte Gewaltdelikte gegen Asylunterkünfte.