Teure Mieten in den Innenstädten, Schlaglöcher auf den Straßen, niedrige Löhne in den Betrieben: In Deutschland wird angeblich traditionell gerne und viel genörgelt. Dieses gängige Klischee gilt zumindest für Menschen im Alter von 30 bis 59 Jahren nur eingeschränkt. Im Gegenteil: Die "Generation Mitte", die mit 70 Prozent der Erwerbstätigen maßgeblich die Gesellschaft trägt, ist überwiegend sehr zufrieden mit ihrem Leben, wie eine Studie des Allensbach-Instituts zeigt. "Es gibt wenige Länder auf der Welt, wo so viele die Lebensqualität positiv bewerten", sagte Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher zur Vorstellung der Studie.

Insbesondere die allgemeine Lebensqualität in Deutschland wird von den 30- bis 59-Jährigen äußerst positiv bewertet. So sind 91 Prozent der 1.020 Befragten der Meinung, dass es um diese "gut" oder sogar "sehr gut" bestellt ist. Ungeachtet der teils gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge glauben deshalb auch gut zwei Drittel der Befragten, dass Deutschland für hochqualifizierte ausländische Arbeitnehmer ein attraktives Ziel ist.

Allerdings hängt die Zufriedenheit stark mit der Bildung und dem Wohlstand der Menschen zusammen. In der Gruppe der Befragten, die über einen hohen sozioökonomischen Status verfügen, gaben 94 Prozent der Menschen an, über eine gute oder sehr gute Lebensqualität zu verfügen. In der niedrigen Gruppe waren es nur 48 Prozent.

Bildung als Problemfeld

Dabei ist es aber nicht so, dass die "Generation Mitte" genügsam wäre und allein deshalb die Lebensumstände loben würde. Die Anforderungen, die die Befragten an die Lebensqualität richten, sind vielfältig. Am wichtigsten ist den Menschen eine gute Gesundheitsversorgung (86 Prozent), gefolgt von Meinungsfreiheit (76 Prozent) und einem guten Bildungssystem (76 Prozent). Auch Rechtssicherheit (73 Prozent) und politische Stabilität (67 Prozent) werden von den 30- bis 59-Jährigen häufig als wichtige Kriterien genannt.

Diese Anforderungen sehen die Befragten in Deutschland überwiegend erfüllt oder sogar übererfüllt. Mehr als zwei Drittel loben die politische Stabilität, die wirtschaftliche Situation und die soziale Absicherung im Land. Auch die Anforderungen im Bereich der Infrastruktur, beim Umweltschutz und bei der technischen Entwicklung sehen sie als erreicht an.

"Gleichzeitig bleibt Deutschland aber auf wichtigen Feldern hinter den Erwartungen der 'Generation Mitte' zurück", sagte Allensbach-Geschäftsführerin Köcher. Jeder zweite Befragte sieht beispielsweise Probleme im Bildungssystem. Zudem ist nur ein Viertel der Ansicht, dass sich in Deutschland Familie und Beruf gut vereinbaren ließen, wobei die Hälfte dies für einen wichtigen Faktor für eine hohe Lebensqualität hält.

Als Problem wird auch die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland angesehen. Nur 15 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass diese in Deutschland nicht zu groß sei. Als gravierend werden die Unterschiede aber nicht empfunden: Nur für knapp die Hälfte der Befragten ist Wohlstand eine Voraussetzung für eine hohe Lebensqualität. Wichtiger ist ihnen, dass die Belastung durch Steuern und Abgaben sinkt: 71 Prozent sind der Meinung, dass dies die Lebensqualität steigern könnte.

Die Wirtschaft ist wichtiger als Frau Merkel

Ist die ausgeprägte Zufriedenheit der "Generation Mitte" politisch relevant? Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass sich in dem satten Gefühl dieser wichtigen Bevölkerungsgruppe die Grundlage für die politischen Verhältnisse und für die anhaltend guten Umfragewerte für Kanzlerin Angela Merkel finden.

Ganz so einfach ist der Zusammenhang aber offenbar nicht. Nach den Gründen für die positiven Lebensumstände befragt, sehen deutlich mehr Menschen die Wirtschaft vor der Politik. Von beiden erwarten sie aber für die Zukunft einen noch größeren Beitrag.

Den Angaben liegt eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach zugrunde, die vom 4. bis zum 23. Juni 2015 unter 1.020 Männern und Frauen im Alter von 30 bis 59 Jahren durchgeführt wurde. Auftraggeber der Studie ist die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).