Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verlangt für die schnelle Integration von Flüchtlingen eindeutige Voraussetzungen. "Wir müssen ganz klar hier Regeln aufstellen", sagte der Ratsvorsitzende Aiman Mazyek dem Bayerischen Rundfunk.

Er zeigte sich besorgt, dass religiöse Streitfragen nach Deutschland hineingetragen werden könnten. "Es wird Konflikte geben", sagte Mazyek. Dem müsse entschieden entgegengetreten werden: "Jene, die meinen, hier in Deutschland ihre Konflikte auszutragen, die haben sofort ihr Recht, hier zu weilen in Deutschland, verwirkt. Die haben hier nichts zu suchen."

Der Zentralratsvorsitzende plädierte für eine Politik des "Förderns und Forderns" auch in der Integration. Wichtig sei vor allem ein schneller Spracherwerb. Zudem müsse zügig den Flüchtlingen deutlich gemacht werden, "wie unser Gemeinwesen aussieht". Ein Beitrag dazu könne sein, das Grundgesetz auf Arabisch zu übersetzen.

Offenbar war Mazyek nicht bekannt, dass das Grundgesetz bereits auf Arabisch erhältlich ist. Unter anderem beim Bundestag lässt es sich bestellen

Vorwürfe gegen Muslimverbände

Zuvor hatte der frühere Bundespräsident Christian Wulff mehr Verantwortung der muslimischen Verbände in der Integration von Flüchtlingen gefordert. Es genüge nicht, die Flüchtlinge "in ihre Moscheen einzuladen", sagte Wulff dem Tagesspiegel. Die Muslime in Deutschland müssten "auch aktiv an der Integration der Menschen mitarbeiten und ihnen die Werte unseres Landes vermitteln".

Im August hatte der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, mit dem Vorwurf fehlender Hilfsbereitschaft seitens der Muslime Kritik ausgelöst. Er warf Islamverbänden und Moscheen vor, "keinerlei Interesse und Engagement" in der Flüchtlingshilfe zu haben. Die Türkisch-Islamische Union Ditib erwiderte, viele Moscheegemeinden setzten sich mit großem Engagement für Flüchtlinge ein. Dazu gehörten etwa Sach- und Kleiderspenden, Hilfspakete, Besuche in Flüchtlingsunterkünften oder Hilfe im Alltag. Die Muslime täten dies "im Selbstverständnis, Teil der deutschen Gesellschaft und damit verantwortlich für die Aufnahme und Unterstützung bedürftiger Menschen zu sein".    

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch im Bundestag gesagt, bei der Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge in Deutschland müsse die Integration "allerhöchste Priorität" haben.