Der Axel-Springer-Verlag muss Jörg Kachelmann für die Berichterstattung der Bild-Zeitung ein Schmerzensgeld von 635.000 Euro zahlen. Das hat das Landgericht Köln entschieden, wie der Moderator twitterte. Kachelmann hatte vom Springer-Konzern insgesamt 2,25 Millionen Euro Entschädigung gefordert.

Kachelmann war im Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Ende 2013 hatte er Klagen gegen die Bild, Bunte und das Magazin Focus eingereicht, weil er von Teilen der Berichterstattung im Prozess gegen ihn seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah.

Es ist das höchste Schmerzensgeld, das je in einem Presseprozess ausgesprochen wurde. Den bisherigen Rekord hielt die schwedische Prinzessin Madeleine, die vor dem Oberlandesgericht Hamburg 400.000 von Frauenzeitschriften erstritt. Die Magazine hatten in insgesamt 86 Artikeln über angebliche Liebschaften und Heiratspläne berichtet.

"Herr Kachelmann musste die schlimmste Hetzkampagne der deutschen Presserechtsgeschichte über sich ergehen lassen", sagte der Anwalt des Moderators, Ralf Höcker. Sein Ruf sei durch die Bild-Zeitung "vollständig ruiniert" worden. "Dieses Urteil ist die Quittung. Es wird hoffentlich abschreckende Wirkung auf den Boulevard haben." Inklusive Schadenersatz und Zinsen läge die Summe sogar bei 800.000 Euro.

Im Prozess gegen die Bild hatte Kachelmanns Anwalt insgesamt 150 Texte der Zeitung und Onlineausgabe angeführt, in denen das Persönlichkeitsrecht des Fernsehmoderators verletzt worden sein soll. Das Gericht hatte 47 Beiträge zugelassen und früh durchblicken lassen, dass es Kachelmann grundsätzlich recht geben würde. Zugleich hatte sich abgezeichnet, dass die Entschädigung niedriger ausfallen würde, als von Kachelmann gefordert.

Eine Sprecherin des Verlags hatte vor dem Urteil erklärt, dass das Gericht den Vorwurf einer Kampagne gegen Kachelmann bereits verworfen habe. Eine Entschädigung werde man anfechten. "Da wir unsere umfassende Berichterstattung über das Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann nicht auf diese Weise diskreditiert sehen möchten, bereiten wir uns schon jetzt auf eine Berufung vor."