In der WDR-Talkshow Hart aber fair waren am Montagabend die steigenden Flüchtlingszahlen Thema. Bis zu 800.000 Menschen werden in diesem Jahr in Deutschland erwartet. In der Diskussion ging es darum, dass die Flüchtlinge nicht unbedingt eine Belastung sein müssen und durchaus integriert werden können.  

"Wir haben Aussiedler integriert, wir haben Hunderttausende von türkischen, griechischen und italienischen Arbeitsmigranten integriert und Deutschland hat sich damit weiterentwickelt", führte gerade Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz aus. Da sagte Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann: "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat." Auch beim FC Bayern spielten "eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit". Das würde den Fans auch gut gefallen.

Abgesehen von beschämten Lachen in der Runde erhielt Herrmann für seine Äußerungen keinen Widerstand. Auch die Co-Chefin der Grünen, Simone Peter, blieb still. 

Als Reaktion sagte Moderator Frank Plasberg mit Blick auf einen weiteren Gast in der Runde: "Ranga Yogeshwar bietet sich auch gerade als Farbiger an, der einigermaßen in Deutschland funktioniert." "Man hat zu mir auch schon mal Neger gesagt", sagte der Journalist Yogeshwar daraufhin. "Das ist einfach so." Wahrscheinlich sei das ein Mangel an Differenzierung. "Das kommt aber mit der Zeit."

Blanco fühlt sich nicht beleidigt

Der Schlagersänger fühlt sich von den Äußerungen nicht beleidigt. "Ich fühle mich nicht von Innenminister Herrmann beleidigt, ich bin ein stolzer Farbiger und ich wünsche mir auch, dass alle Farbigen, die das jetzt lesen, das auch so sehen", sagte Blanco Focus Online. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Äußerung böse gemeint war.  Es wäre aber "schlauer" gewesen, wenn Herrmann das Wort "Farbiger" verwendet hätte.

In den sozialen Netzwerken übten viele Nutzer scharfe Kritik an der Bezeichnung und am Umgang mit der Aussage Herrmanns. Barbara Lochbihler, außen- und menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen im EU-Parlament, nannte sie beispielsweise "armselig". Andere Nutzer spekulierten, dass der Begriff wohl zum normalen Sprachgebrauch des Politikers zähle.

Entschuldigung im Fernsehen

Herrmann entschuldigte sich am Dienstagmorgen im Nachrichtensender N24 für seine "völlig inakzeptable" Äußerung. "Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht", sagte Hermann. Er habe mit den Beispielen nur zeigen wollen, dass es Schwarze gebe, die zu Bayern gehörten. Das Wort habe er spontan aus dem vorangegangenen Einspieler übernommen. "Wir haben wunderbare Mitbürger mit schwarzer Hautfarbe in Bayern. Und ich glaube, das werden auch die allermeisten Bayern so sehen." 

Erst vor wenigen Tagen hatte Herrmann mit Äußerungen über Flüchtlinge eine Debatte entfacht. In Maybrit Illners Talkshow hatte er gesagt, dass es eine Beleidigung für die deutschen Vertriebenen sei, wenn auch Flüchtlinge so bezeichnet würden.

Das Wort "Neger" ist abwertend und rassistisch. Es gilt als Beleidigung, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. So etwa im vergangenen Jahr, als ein Gericht in Bayern einen Rentner für die Verwendung des Wortes zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro verurteilte.