Die Aufnahmen zeigen, wie die Kamerafrau Flüchtlinge tritt. © Marko Djurica/Reuters

Die ungarische Kamerafrau, die an der Grenze zu Serbien ein Flüchtlingskind getreten hat, hat sich zum ersten mal zu dem Vorfall geäußert. In einem Brief an die rechtskonservative Zeitung Magyar Nemzet entschuldigt sie sich für ihr Verhalten. "Ich bin keine herzlose, rassistische, Kinder tretende Kamerafrau", schreibt die Journalistin. Sie sei nur eine nun arbeitslose Mutter von kleinen Kindern, die eine schlechte Entscheidung getroffen habe. "Es tut mir ehrlich leid." 

Zugleich versucht die Mitarbeiterin des Internet-Senders N1 TV, ihr Verhalten zu rechtfertigen. "Die Kamera lief, Hunderte Migranten durchbrachen die Polizeisperre, einer von ihnen rannte auf mich zu, ich hatte Angst." Dann habe sie die Selbstbeherrschung verloren. "Ich dachte, ich würde angegriffen werden und musste mich verteidigen", schreibt die Frau. Es sei schwer, richtige Entscheidungen zu treffen, wenn man in Panik sei.  

Gegen die Frau wird mittlerweile ermittelt. Oppositionspolitiker der linksliberalen Parteien DK (Demokratische Koalition) und der PM (Dialog für Ungarn) haben bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstellt.

Flüchtlinge - Polizisten verprügeln Asylsuchende bei der Einreise nach Mazedonien Trotz harter Bedingungen ziehen viele Flüchtlinge durch Mazedonien Richtung Mitteleuropa. Polizisten prügelten dort auf sie ein. Die Regierung erwägt, einen Zaun zu bauen.

Auf Aufnahmen von der Situation ist zu sehen, wie die Kamerafrau einem Mann ein Bein stellt, der mit einem Kind im Arm über ein Feld läuft – zusammen mit anderen Flüchtlingen. Anschließend ist zu sehen, wie beide zu Boden fallen. Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben der Zeitung Irisch Independentum einen Fußballtrainer aus Syrien. Er stamme aus Deir ez-Zor im Osten des Landes. Ein weiteres Video zeigt, wie die Frau einem laufenden Kind gegen das Schienbein tritt.     

Die Kamerafrau war nach Bekanntwerden des Videos von ihrem Arbeitgeber, dem privaten ungarischen Internet-Sender N1 TV, wegen dieser Vorgänge entlassen worden. "Eine N1-TV-Kollegin hat sich heute an einem Sammelpunkt für Flüchtlinge in Röszke inakzeptabel verhalten", schrieb N1-TV-Chefredakteur Szabolcs Kisberk auf der Facebook-Seite des Senders am Mittwoch. Der Arbeitsvertrag sei daher mit sofortiger Wirkung beendet worden. Man betrachte die Angelegenheit damit als abgeschlossen. Der Sender steht der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik nahe, die gegen Flüchtlinge Stimmung macht.

Ungarn - Kamerafrau entschuldigt sich nach Tritten gegen Flüchtlinge