Papst Franziskus wird bei einer Generalaudienz im Vatikan von frisch verheirateten Ehepaaren begrüßt. Das Kirchenoberhaupt will Menschen, die schon einmal verheiratet waren, in der katholischen Kirche besserstellen. © Cheryl Ravelo/Reuters

Papst Franziskus hat das Verfahren zur Annullierung der Ehe für Katholiken vereinfacht. Eine entsprechende Reform des Kirchenrechts geht aus zwei Apostolischen Schreiben des Kirchenoberhaupts hervor. Sie sieht unter anderem vor, dass künftig nicht mehr zwei kirchengerichtliche Instanzen eine Ehenichtigkeitserklärung billigen müssen, sondern nur noch ein Tribunal.

Die Ehe bleibe unauflöslich, sagte Franziskus. Es gehe nicht um Scheidungen, sondern um Gerechtigkeit und das Seelenheil der Gläubigen. Mit dieser Reform des Kirchenrechts wolle er jenen Katholiken entgegenkommen, die sich "aufgrund physischer oder moralischer Distanz zu oft von den juristischen Strukturen der Kirche abgewendet haben", heißt es in dem päpstlichen Erlass. Die Barmherzigkeit erfordere es, dass die Kirche diesen Menschen, die sich von ihr getrennt fühlten, nahe sei, schreibt Franziskus.

Die katholische Kirche kennt keine Scheidung im zivilrechtlichen Sinn. Allerdings kann die Kirche im Nachhinein feststellen, dass eine Ehe unter völlig falschen Voraussetzungen geschlossen wurde und daher von vornherein ungültig war. Die Annullierung einer Ehe ermöglicht es Katholiken, erneut auch kirchlich zu heiraten, da dann nach dem kirchlichen Verständnis die zu den Sakramenten zählende Ehe nicht bestanden hat. Wer dagegen ohne kirchliche Eheannullierung standesamtlich heiratet, wird von den Sakramenten ausgeschlossen.

Eine Eheannullierung war bislang so kompliziert und teuer, dass sie für viele Katholiken unerreichbar blieb. Besonders in ärmeren Ländern gibt es in den Bistümern zudem keine Ehegerichte. In manchen Ländern konnte sich ein solches Verfahren daher über Jahre hinziehen. Die Maximaldauer eines Ehenichtigkeitsprozesses beträgt nun ein Jahr. Der Papst verfügte außerdem, dass in Bistümern ohne kirchliche Ehegerichte der Bischof entweder selbst entscheiden oder einen Priester und zwei Assistenten mit der Behandlung des Falles beauftragen kann. Auf Gebühren soll verzichtet werden. Die Antragsteller sollen lediglich für die Personalkosten aufkommen.

Nach jüngsten Angaben des Vatikans wurden 2013 weltweit rund 47.150 Ehen für nichtig erklärt – bei insgesamt 71.800 abgeschlossenen Verfahren. Davon entfielen mit 24.600 mehr als die Hälfte der annullierten Ehen auf die USA. In Deutschland waren es in diesem Zeitraum 740.

Papst Franziskus hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, einfachere Regeln für Ehe-Annullierungen zu erlassen. Eine Sonderkommission hatte sich in den vergangenen Monaten mit einer Reform des kirchlichen Eherechts befasst. Der Zeitpunkt der Reform, zwei Wochen vor Eröffnung der Bischofssynode über Ehe und Familie im Vatikan, überraschte dennoch viele Beobachter, da die Ehenichtigkeitsprozesse auch auf der Tagesordnung der Bischofsversammlung stehen.