Unbekannte haben das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas im Berliner Tiergarten mit einem Hakenkreuz geschändet. Im Eingangsbereich sprayten sie zudem den Schriftzug "Vergasen". Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die das Denkmal betreut, ließ die Sicherheitsmaßnahmen verstärken und erstattete Anzeige. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Polizei ermittelt. Die Schmierereien wurden mittlerweile wieder entfernt.

Das 2012 eröffnete Denkmal erinnert an prominenter Stelle nahe dem Brandenburger Tor an das Leid der Volksgruppe in der Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen 1939 und 1945 starben bis zu 500.000 Sinti und Roma.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte ZEIT ONLINE, die Schändung, die "in diesem Ausmaß erstmals am Denkmal stattgefunden hat, zeigt, dass die Rechtsextremisten in der momentanen Krise jetzt die Gelegenheit sehen, den Geist Hitlers wieder neu zu beleben". Der Zentralrat kündigte an, nicht nur Strafanzeige wegen Volksverhetzung, sondern auch wegen Bedrohung zu erstatten. "Den Tätern kam es mit dem Begriff 'Vergasen' offensichtlich darauf an, zur Gewalt gegen die Minderheit aufzurufen, die Opfer des Holocausts in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern wurde", sagte Rose.

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal, verurteilt den Anschlag als "aggressiven Antiziganismus" aufs Schärfste. Romeo Franz, Direktor der Hildegard Lagrenne Stiftung und Komponist des Musikstückes am Denkmal, bezeichnete den Vorfall als "Angriff auf den Prozess der Versöhnung". Er treffe viele Sinti und Roma mit ihrer leidvollen Familiengeschichte persönlich.

Das Denkmal des in Israel geborenen Künstlers Dani Karavan im Berliner Tiergarten besteht aus einem Brunnen mit einem versenkbaren Stein, auf dem täglich eine frische Blume liegt. Darüber hinaus informieren Tafeln über Ausgrenzung und Massenmord an dieser Minderheit während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft.