China hat offiziell das Ende seiner umstrittenen Ein-Kind-Politik verkündet. Von nun an dürften alle Paare mit staatlicher Erlaubnis zwei Kinder bekommen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Der Beschluss wurde bei einem viertägigen Treffen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei gefasst.

Bereits vor zwei Jahren hatte das Regime die umstrittene Familienpolitik gelockert. Seitdem durften Paare zwei Kinder bekommen, wenn einer der beiden Elternteile selbst Einzelkind ist. Nun wird die Ein-Kind-Regel komplett aufgehoben, um die schädlichen Auswirkungen auf die älter werdende Gesellschaft zu beheben und die gezielte Abtreibung weiblicher Föten zu reduzieren.

Denn die weltweit einzigartige Familienpolitik hat auch zu gefährlichen demografischen Problemen geführt. Vor allem auf dem Land sind viele Orte völlig überaltert, weil alle jungen Menschen abgewandert sind. Zudem müssen in China immer weniger Menschen für immer mehr Rentner aufkommen.

Als Antwort auf diese Probleme hatte die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften die Zwei-Kind-Lösung vorgeschlagen. Für eine stabile Bevölkerung ist eine Quote von 2,1 Kindern pro Frau nötig. Eine Chinesin bekommt heute im Durchschnitt jedoch weniger als 1,6 Kinder. Aber: Bereits die Lockerung der Ein-Kind-Politik hat nicht zu einem massiven Anstieg der Geburtenrate geführt. Viele Eltern können sich bei den stark gestiegenen Preisen für Wohnraum und Ausbildung schlicht kein zweites Kind leisten. Das wird sich auch mit dem Ende der Ein-Kind-Politik nicht ändern.

Das Regime in China hatte die Ein-Kind-Regel 1979 eingeführt, um zu verhindern, dass die Bevölkerung zu schnell wächst. Die Regierung wollte so die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen und gleichzeitig Ressourcen schonen. Ohne die strikte Familienpolitik würden heute in China vermutlich etwa 300 Millionen Menschen mehr leben.

Die Generation der nach 1980 in China Geborenen unterscheidet sich dadurch deutlich von der ihnen vorhergehenden. 18 Prozent der "Generation Y" besuchten eine Hochschule, unter den in den fünfziger Jahren Geborenen waren es nur 1,71 Prozent. Die meisten der 1980 Geborenen wuchsen in einem Land mit sagenhaftem wirtschaftlichen Aufschwung auf – viele davon bei ihren Großeltern, weil ihre Eltern als Wanderarbeiter beschäftigt waren. 

Im Jahr 2011 veröffentlichte die chinesische Akademie für Sozialwissenschaften ein Blaubuch der nach 1980 Geborenen. Ihr zufolge sind diese gebildet und konsumfreudig und haben einen ausgeprägten Anspruch an ihren Arbeitsplatz. Im Gegensatz zu früheren Generationen seien sie jedoch weniger bereit, sich anzustrengen, und hielten weniger Härten und Bitterkeit aus – im chinesischen Vergleich. Die Eltern der Nach-1980-Geborenen investierten viel in ihren Nachwuchs, setzten ihn dadurch aber auch hohem Druck aus. Heirat und Familie sind in China wichtige Ideale, aber nur schwer zu realisieren – auch, weil die finanziellen Ansprüche bei Verheiratungen steigen.