Kurz vor ihrem einjährigen Bestehen hat die asylfeindliche Pegida-Bewegung erneut Tausende Menschen mobilisiert. Auf einer Demonstration in Dresden bezeichnete Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling den Zuzug von Flüchtlingen und Asylsuchenden als "Ansturm der Invasoren". Sie warf Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, aus Deutschland ein "riesiges Dschungelcamp" gemacht zu haben und regte einen "Säxit" an – den Austritt Sachsens aus der Bundesrepublik. Bei der Dresdner Oberbürgermeisterwahl hatte Festerling Anfang Juni fast zehn Prozent der Stimmen bekommen. Im zweiten Wahlgang trat sie nicht mehr an.

Juristische Folgen könnte eine Galgen-Attrappe haben, die ein Pegida-Anhänger mit sich herumtrug und an der "Reserviert"-Schilder für "Angela 'Mutti' Merkel" und "Siegmar 'das Pack' Gabriel" hingen. Die Staatsanwaltschaft werde über die strafrechtliche Relevanz entscheiden, sagte ein Polizeisprecher.

Die Teilnehmer der Kundgebung riefen in Sprechchören "Abschieben, abschieben", "Wir sind das Volk" und "Merkel muss weg". Ein Plakat mit Merkel als Mutter Teresa war überschrieben mit "Mutter Terrorresia", andere Schilder wandten sich gegen "Deutschenhasser", "Asylmafia" oder das "Politikerpack". Die Studenteninitiative Durchgezählt schätzte, dass sich 8.000 bis 9.000 Menschen auf dem Theaterplatz vor der Semperoper versammelt hatten.

Der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann wies in seiner Rede auf das einjährige Bestehen von Pegida in der kommenden Woche hin. Die Bundesregierung bezeichnete er als "Berliner Diktatoren" und kritisierte deren Flüchtlingspolitik. Hier sei eine "Kehrtwende dringend erforderlich". Es müsse "unattraktiver werden, in Deutschland Asyl zu beantragen". Der Bundesregierung warf er vor, mit ihrer Flüchtlingspolitik Europa in einen Bürgerkrieg zu führen. Für die Ein-Jahres-Feier kündigte Bachmann zahlreiche Gastredner aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Großbritannien, Italien und Österreich an. Der deutsch-türkische Bestsellerautor Akif Pirinçci soll exklusiv Auszüge aus seinem demnächst erscheinenden Buch Umvolkung zum Flüchtlingsthema vortragen.

Die selbst ernannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" gehen in ihrer Hochburg Dresden seit einem Jahr fast wöchentlich auf die Straße und machen Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge und Medien. Zu ihren Hochzeiten Anfang des Jahres versammelte die Bewegung bis zu 25.000 Anhänger. Als sich Pegida Ende Januar im Streit um ihren Mitbegründer Bachmann spaltete und anschließend zunehmend radikalisierte, wurde es ruhiger um das Bündnis. Doch zuletzt verzeichnete die Bewegung wieder einen stärkeren Zulauf.

Gegen Bachmann ist eine Klage der Staatsanwaltschaft Dresden wegen Volksverhetzung anhängig. Ihm wird vorgeworfen, im September vergangenen Jahres auf seiner Facebookseite Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber unter anderem als "Gelumpe" und "Viehzeug" beschimpft zu haben.

Friedliche Gegenproteste

Erstmals seit Längerem regte sich in Dresden zeitgleich zur Pegida-Demonstration wieder nennenswerter Gegenprotest. Etwa 250 Demonstranten stellten sich den Pegida-Anhängern entgegen. Die Polizei hielt die Lager auf Distanz, als der Pegida-Zug nur wenige Meter entfernt vorbeizog. Beide Seiten beschimpften sich. Pegida-Gegner protestierten mit Pfiffen und Trillerpfeifen gegen Fremdenhass und für Weltoffenheit. Ein Pegida-Demonstrant, der mit einem Polizeibeamten aneinandergeraten war, wurde wegen Widerstands angezeigt. Ein Journalist wurde nach eigenen Angaben aus dem Demonstrationszug heraus bespuckt. 

In Leipzig und Chemnitz gingen ebenfalls Anhänger der örtlichen Pegida-Ableger auf die Straße. In Leipzig sprach die Polizei von rund 400 Menschen. Bei der Demonstration sei eine Flasche in Richtung des Legida-Aufzuges geworfen worden. Auch ein Journalist sei von einem Teilnehmer gestoßen worden. In Chemnitz sei die Versammlung friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.