Seit gut zwei Wochen tagen sie nun schon: die 270 katholischen Bischöfe aus aller Welt sowie 89 weitere Teilnehmer der Familiensynode in Rom. Sie haben sich Großes vorgenommen: Auf dem Plan steht eine grundlegende Revision dessen, was die katholische Kirche bisher unter Ehe und Familie versteht. Doch was ist bisher dabei herausgekommen?

Schon jetzt lässt sich sagen: Dass die Kirche das Familienleben mit all seinen Konflikten und Herausforderungen – auch im Hinblick auf eine globalisierte Wirtschaft und die Migrations- und Flüchtlingsbewegungen – in den Blick nimmt, ist ein Verdienst an sich. Entscheidend für den Erfolg und die Bedeutung der Synode wird am Ende allerdings sein, ob es gelingt, die Überfixierung der katholischen Lehre auf die Sünde zu überwinden.

Manches ist bei diesem Treffen neu und macht Hoffnung: Fanden Bischofssynoden bisher quasi unter Aufsicht des Präfekten der Glaubenskongregation statt, setzt Papst Franziskus nun stattdessen auf eine offene Debatte. Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der derzeitige Glaubenspräfekt, sitzt diesmal in der fünften Reihe zwischen den anderen Synodenvätern.

Zudem wurde viel Zeit für intensive Diskussionen eingeräumt. Diese finden in sogenannten Sprachgruppen statt, die nach dem Dreiklang "sehen, bewerten, handeln" vorgehen. In der deutschen Gruppe, die es erstmals bei einer Synode gibt, treffen so unterschiedliche Personen und Positionen wie der "Chefdogmatiker" Kardinal Müller ("die Ehe ist unauflöslich"), der ehemalige Kurienkardinal Walter Kasper ("Barmherzigkeit für geschiedene Wiederverheiratete") und Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ("Wir sind keine Filialen von Rom") aufeinander.

Dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn scheint die Aufgabe des Moderierens zu gelingen. Eine wichtige Aufgabe hat auch der neue Berliner Erzbischof Heiner Koch, der gewissermaßen als Protokollant ("Relator") die Ergebnisse zusammenfassen muss, die alle veröffentlicht werden.

Wird es die deutsche Gruppe in 40 Sitzungsstunden schaffen, theologische
Brücken zwischen Lehre und Praxis, zwischen Kirchenrecht und Barmherzigkeit
zu bauen? Werden sie möglicherweise den theologischen Stein der Weisen für die gesamte Synode finden (müssen)? Anders als vielleicht vermutet, soll die deutsche Sprachgruppe bisher jedenfalls durchaus produktiv arbeiten. Die besonders strittigen Fragen, wie der Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten oder Homosexuellen, stehen allerdings auch erst in der dritten Synodenwoche an.

Noch vor Beginn der Synode hatten 50 Reforminitiativen aus der ganzen Welt an die Bischöfe appelliert, dem Papst auf "dem Weg des Dialogs und der Reform" zu folgen. Die Kirche müsse die sozialen und wirtschaftlichen Probleme von Familien intensiv berücksichtigen, forderten sie. Außerdem verlangten sie unter anderem, dass wiederverheiratete Geschiedene besser gestellt, Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare als vollwertige Kirchenmitglieder anerkannt werden und die Kirche bei der Empfängnisverhütung die Gewissensentscheidung von Paaren akzeptiert.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Appell von den Synodenvätern gehört wird und diese sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Gefragt ist nichts weniger als eine Weiterentwicklung der Theologie – ein schwieriger, aber auch spannender Prozess.