Die Staatsanwaltschaft Aachen hat Ermittlungen gegen einen Rechtsanwalt der Nebenklage im NSU-Prozess eingeleitet, der ein fiktives Opfer der rechtsradikalen Terrorgruppe vertreten hatte. Der Jurist hatte eine Frau namens "Meral Keskin" vertreten, inzwischen aber eingeräumt, dass seine Mandantin nicht existiert.

Viel war über "Meral Keskin" im Prozess nicht bekannt geworden. Als sicher galt bis vor Kurzem nur, dass sie am 9. Juni 2004 bei einem Anschlag in der Kölner Keupstraße verletzt wurde. Die Phantom-Zeugin war allerdings nie im Gerichtssaal aufgetaucht. Am Ende hielten die Ausreden des Anwalts nicht mehr stand: Der Betrug kam heraus.

In diesem Zusammenhang wurde nun auch bekannt, dass der Anwalt auch eine Entschädigungszahlung der Bundesregierung angenommen hat, die für "Meral Keskin" bestimmt war. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums sagte, der Anwalt sei als Nebenklage-Vertreter zur Annahme der Zahlung berechtigt gewesen. Die Entschädigung, ein Betrag von 5.000 Euro, sei auf ein Treuhandkonto des Juristen überwiesen worden.

Die Ermittlungen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft durch die Berichterstattung zu dem Thema ausgelöst. Zum Verbleib der von der Bundesregierung überwiesenen Opferhilfe konnte die Ermittlungsbehörde noch nichts mitteilen.

Provision für Opfer-Vermittlung

Gegen den Juristen läuft auf Antrag der Anwaltskammer auch ein standrechtliches Verfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft Köln. Dabei gehe es um den Verdacht, er habe für das Mandat eine Provision bezahlt, sagte eine Sprecherin. 

Der Jurist hatte dazu über seinen Verteidiger erklären lassen, er sei von einem anderen NSU-Opfer getäuscht worden. Der Mann habe ihm ein Foto der vermeintlichen "Meral Keskin" vorgelegt und für die Vermittlung der Mandantin eine Provision verlangt. Auch gegen diesen Mann ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts.