Angehörige des Umpqua Community College im US-Bundesstaat Oregon stehen nach dem Amoklauf vor dem Campus. ©  Ryan Kang / dpa

Auf dem Campus des Umpqua Community College im US-Bundesstaat Oregon sind bei einer Schießerei zehn Menschen getötet und sieben verletzt worden. Das gaben die Behörden bekannt, nachdem zuvor bei CNN und in anderen Medien von 13 Toten und 20 Verletzten die Rede gewesen war. Es handele sich um die "besten, akkuratesten Informationen, die wir derzeit haben", sagte John Hanlin, Sheriff im Bezirk Douglas County. Drei Schwerverletzte seien in Krankenhäuser in der Region Eugene verlegt worden.

Der Grund für die widersprüchlichen Angaben war zunächst unklar. Hanlin zufolge starb der Attentäter nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Ob er zu den zehn Toten gezählt wird, wurde nicht erläutert. Die Behörden gaben außerdem bekannt, dass der Mann, den sie mit vollem Namen identifizierten, 26 Jahre alt gewesen sei und drei Waffen mit sich getragen habe; Pistolen und ein Gewehr. Er habe genug Munition für einen langen Schusswechsel bei sich getragen, so die Polizei.

Der Mann eröffnete ersten Augenzeugenberichten zufolge das Feuer am Donnerstagvormittag (Ortszeit) in einem der insgesamt 18 Gebäude auf dem Campus. Er bewegte sich dann weiter durch das Gebäude. Retter entdeckten in mehreren Unterrichtsräumen Tote und Verletzte, sagte Schoufler.

Am Umpqua Community College (UCC) sind mehr als 3.000 Vollzeit- und 16.000 Teilzeit-Studenten eingeschrieben. Das College liegt in der Kleinstadt Roseburg im Südwesten des Bundesstaates, etwa 300 Kilometer südlich der Metropole Portland.

Überlebende Studenten wurden von der Polizei auf einem Parkplatz durchsucht, ehe sie mit Bussen auf ein nahe gelegenes Messegelände gebracht wurden. Dort wurden sie von Seelsorgern in Empfang genommen, auch Eltern warteten auf ihre Kinder. Es sei furchtbar, die Familien zu beobachten, die auf den letzten Bus mit Überlebenden warteten, nur um festzustellen, dass ihre Lieben nicht an Bord seien, sagte die Interimspräsidentin des College, Rita Cavin.

Mehr als 100 Polizisten waren im Einsatz. Unter anderem untersuchten Sprengstoffexperten mit Hunden die großen Parkplätze des College nach Bomben.

Attentäter fragte Opfer offenbar nach ihrer Religion

Zu den Motiven des Täters wurde zunächst nichts bekannt. Der Mann soll seine Opfer Augenzeugen zufolge aber nach ihrer Religion gefragt haben, ehe er weitere Schüsse abgegeben habe, sagte die 18-jährige Studentin Kortney Moore dem Blatt Roseburg News-Review. Sie habe in einer Literaturvorlesung gesessen, als jemand durch das Fenster geschossen habe. Der Mann sei ins Klassenzimmer gekommen und habe die Anwesenden aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Sie sollten anschließend aufstehen und Angaben zu ihrer Religion machen.  Dann habe der Täter geschossen, sagte Moore weiter.

CNN und die New York Times berichteten, dass die Polizei online Spuren des mutmaßlichen Täters gefunden habe; möglicherweise habe er die Tat im Forum 4Chan angekündigt. Auszüge aus der Konversation, bei der jemand andere Teilnehmer davor warnt, am nächsten Tag zur Schule zu gehen, werden unterdessen im Netz verbreitet.

Obama fordert schärfere Waffengesetze

US-Präsident Barack Obama ließ sich fortlaufend über die Situation informieren. Auf einer Pressekonferenz forderte er schärfere Waffengesetze. "Wir sind direkt verantwortlich aus der Perspektive derjenigen, die geliebte Menschen verloren haben", sagte Obama weiter. "Ich werde das immer wieder auf die Agenda bringen. Wir können daran etwas tun, aber wir müssen unsere Gesetze ändern. Das kann ich nicht allein." Der Präsident forderte Gouverneure, Wähler und den Kongress dazu auf, ihm zu helfen. Auch Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton äußerte sich erschüttert. Es gehe über ihre Vorstellungskraft, "dass wir diese Massenmorde immer wieder und wieder und wieder sehen."

Dritter Amoklauf binnen drei Jahren in Oregon

In den USA hat es in den vergangenen Jahren häufiger Schießereien an Bildungseinrichtungen gegeben. Besonders nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule im Jahr 2012 wurden an zahlreichen Schulen und Hochschulen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bei der Bluttat in der Kleinstadt Newtown hatte der 20-jährige Täter 20 Kinder und sechs Erwachsene getötet, bevor er sich selbst erschoss.

Auch in Oregon kam es in den letzten Jahren mehrmals zu Attentaten. 2012 erschoss ein 22-jähriger Attentäter zwei Menschen in einem Einkaufszentrum nahe der Hauptstadt Portland. 2014 erschoss ein Bewaffneter an einer High School einen Schüler und verletzte einen Lehrer. US-Präsident Obama hatte daraufhin bereits eine Verschärfung des Waffenrechts gefordert, scheiterte jedoch bisher stets am Widerstand der Republikaner.