Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rechnet wegen der Flüchtlingssituation in den nächsten zwölf Monaten bundesweit mit rund 300.000 zusätzlichen Schülern. Dazu seien weitere 8.000 Lehrkräfte je 100.000 Schüler notwendig, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Zur Deckung des Bedarfs regte Tepe neben Neueinstellungen und Weiterqualifizierungen auch den Einsatz pensionierter Lehrer an.

In den Kitas erwartet die GEW bis zu 100.000 zusätzliche Kinder. Hierfür sind laut Tepe 14.000 zusätzliche Erzieherinnen nötig.

Laut einer Studie des Mercator-Instituts für Sprachförderung und des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität Köln sind im vergangenen Jahr knapp 100.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter nach Deutschland eingewandert. Das entspreche einem Prozent der Gesamtzahl der gleichaltrigen Einheimischen.

Eine besondere Herausforderung sehen die Autoren der Studie wegen der Altersstruktur der Kinder für die weiterführenden Schulen. Zwei Drittel der zugewanderten Kinder und Jugendlichen seien zwischen zehn und 18 Jahre alt, allein 14 Prozent gehörten zur Altersgruppe der 18-Jährigen. Besonders an berufsbildenden Schulen seien zusätzliche Kapazitäten erforderlich. 

Experten kritisieren schon länger, dass die gesetzliche Schulpflicht für Flüchtlingskinder nur in Berlin und im Saarland von Anfang an gilt. "Die Frage, wie neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im Bildungssystem aufgenommen werden können, ist jahrelang vernachlässigt worden", sagte Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Studienautoren, dass zwischen Ankunft und Schulbesuch nicht mehr als drei Monate liegen sollten. Für diesen Zeitraum sollten außerdem außerschulische Lernangebote geschaffen werden.