Das politische Interesse von Jugendlichen in Deutschland ist wieder deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Shell-Jugendstudie. Im Vergleich zum Tiefpunkt mit 30 Prozent im Jahr 2002 sind es jetzt 41 Prozent, die sich selbst als "politisch interessiert" bezeichnen, schreiben die Autoren. Die Aussagen beziehen sich auf die Altersgruppe 12 bis 25 Jahre.

Die Selbsteinschätzung zum politischen Interesse ist eine der zentralen Zeitreihen der Studie. Jugendliche, die sich als politisch interessiert bezeichneten, informieren sich demnach zu 74 Prozent aktiv über Politik. Wer sich hingegen wenig oder gar nicht für Politik interessiere, tue dies nur zu zehn Prozent. Politisches Interesse und politische Kompetenz gingen an dieser Stelle Hand in Hand, schreiben die Autoren.

Weiterhin ausgeprägt ist der Studie zufolge die Politikverdrossenheit der Jugendlichen in Deutschland – obwohl die Zufriedenheit mit der Demokratie und der Gesellschaft in Deutschland gestiegen ist. "Nach wie vor unterdurchschnittlich ist das Vertrauen, das Parteien entgegengebracht wird", heißt es in der Studie. Der Aussage "Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken" stimmen 69 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren zu.

Bemerkenswerterweise habe sich inzwischen die Akzeptanz gegenüber Zuwanderern erhöht, schreiben die Autoren. Waren es 2002 noch 48 Prozent der Jugendlichen und 2006 sogar 58 Prozent, die sich dafür aussprachen, die Zuwanderung nach Deutschland zu verringern, so sei dieser Anteil aktuell auf 37 Prozent gesunken. 39 Prozent der Jugendlichen sind dafür, dass auch in der Zukunft genauso viel und sogar mehr Menschen (15 Prozent) als bisher aus dem Ausland zuwandern sollten. "Offenbar werden inzwischen die öffentlich diskutierten wirtschaftlichen und sozialen Notwendigkeiten einer Zuwanderung nach Deutschland stärker mit bewertet", folgern die Autoren.

Deutlich werde an dieser Stelle der Unterschied zwischen Ost und West. 35 Prozent der Jugendlichen aus den westlichen Bundesländern wollen Zuwanderung nach Deutschland reduzieren, bei Jugendlichen aus den östlichen Bundesländern (inklusive Berlin) sind es 49 Prozent. Ähnlich verhält es sich gemäß der Studie auch bei der Frage der Aufnahme von Flüchtlingen: Hier fordern 44 Prozent der Jugendlichen im Osten, weniger Flüchtlinge aufzunehmen im Vergleich zu 30 Prozent der Jugendlichen im Westen.

Die Shell-Jugendstudie wurde mit 2.558 Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren durchgeführt. TNS Infratest fragte dabei nach Lebenssituation, Einstellungen und Orientierungen. Seit 1953 wird die Untersuchung im Abstand von drei bis fünf Jahren regelmäßig veröffentlicht. 2010 war Deutschlands Jugend demnach familienorientiert und glaubte, sich ihre beruflichen Ziele erfüllen zu können. Junge Leute bewerteten die Globalisierung zwar positiv, machten sich jedoch große Sorgen um den Klimawandel.