Im Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara hat es zwei schwere Explosionen gegeben. Diese ereigneten sich vor dem Hauptbahnhof. Augenzeugen sagten, die Explosionen hätten sich wenige Sekunden nacheinander ereignet. Mindestens 86 Menschen wurden laut dem türkischen Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu getötet, 186 weitere verletzt. Ein Korrespondent berichtete, er sehe viele Leichen und Verletzte.

Es sei noch unklar, wie es zu den Explosionen kam, sagte ein Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit werde geprüft, ob sie durch einen Selbstmordattentäter verursacht wurden.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan versprach in einer Mitteilung die "Aufklärung des Terrorangriffs". Daran arbeite die Regierung mit all ihren Einheiten. "Ich glaube daran, dass die Täter in kürzester Zeit festgesetzt und der Justiz übergeben werden", heißt es in der Mitteilung Erdoğans. Er verurteile den Angriff zutiefst, dessen Ziel die Einheit, Solidarität und der Frieden in seinem Land gewesen seien.

Erdoğan zog außerdem eine Parallele zu den Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zwischen diesen Anschlägen und dem "Terrorangriff" in Ankara bestehe "überhaupt kein Unterschied".

Premier Ahmet Davutoğlu traf sich am Mittag mit Mitgliedern seines Kabinetts und Sicherheitsberatern, um über eine Reaktion auf die Explosionen zu sprechen, teilte sein Büro mit. Der Chef der prokurdischen HDP, Selahattin Demirtaş, sprach von einem Massaker. Es sei ähnlich den Anschlägen in Diyarbakır und Suruç. Viele Mitglieder seiner Partei wollten an der Kundgebung teilnehmen. Auf Fernsehbildern waren Leichen zu sehen, die mit HDP-Flaggen bedeckt wurden.

Nahe dem Bahnhof hatten sich Menschen versammelt, die an einer Friedensdemonstration auf dem Sihhiye Platz teilnehmen wollten. Die Veranstaltung war von der Gewerkschaft Kesk organisiert worden, die dem linken Spektrum zugeordnet wird. Diese wollte für ein Ende des Konflikts zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Kurdenorganisation PKK werben.

In den vergangenen Monaten war die Gewalt zwischen der PKK und türkischen Sicherheitskräften eskaliert. Die PKK hatte bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im südtürkischen Dağlıca nach Militärangaben 16 Menschen getötet. Die türkische Armee verstärkte daraufhin ihre Offensive gegen PKK-Stellungen. Bodentruppen rückten dabei auch in den Irak vor, wo die PKK ihr Hauptquartier hat.

Auch die Spannungen zwischen Türken und Kurden hatten zugenommen. Im September waren mehrere kurdische Einrichtungen attackiert worden. Dabei brannten auch Häuser in Ankara. Die prokurdische HDP hatte daraufhin die türkische Übergangsregierung verlassen. Europaminister Ali Haydar Konca und Aufbauminister Müslüm Doğan warfen der Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu vor, aus wahltaktischen Gründen die Konflikte zwischen Türken und Kurden anzuheizen.

Die HDP hatte bei den Parlamentswahlen im Juni 13,1 Prozent der Stimmen erreicht. Gleichzeitig verlor die HDP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ihre absolute Mehrheit im Parlament. Die Übergangsregierung von Davutoğlu soll bis zu den Neuwahlen am 1. November im Amt bleiben. Erdoğan will bei der Wahl die Mehrheit der Stimmen zurückgewinnen. Sollte die HDP erneut die 10-Prozent-Hürde schaffen, ist das aber unwahrscheinlich.