Die USA und Großbritannien halten es für wahrscheinlich, dass ein Sprengkörper an Bord den Absturz der russischen Passagiermaschine über dem Sinai verursacht hat. Der britische Außenminister Philip Hammond sagte, dies sei eine "signifikante Möglichkeit". Es seien verschiedene Quellen ausgewertet worden, bevor die Regierung zu dem Schluss gekommen sei.

Aus Washington sind ähnliche Vermutungen zu hören. Ein Vertreter der US-Regierung sagte CNN: "Es gibt ein eindeutiges Gefühl, dass es ein Sprengkörper war, der im Gepäck oder anderswo im Flugzeug versteckt wurde." Die US-Geheimdienste hätten Hinweise, wonach der IS-Ableger auf dem Sinai einen Sprengsatz in das Flugzeug gebracht habe, hieß es aus Washington. Ein US-Regierungsvertreter bezeichnete laut CNN die Sicherheitsvorkehrungen in Scharm al-Scheich als "lax". Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass ein Mitarbeiter des Flughafens den Terroristen geholfen habe.

Bereits unmittelbar nach dem Absturz hatte ein Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" behauptet, dafür verantwortlich zu sein. Die Behörden in Russland und Ägypten hatten einen Anschlag als unwahrscheinlich bezeichnet. Bis heute gibt es widersprüchliche Informationen und Vermutungen zur Absturzursache.

In Ägypten werden derzeit die Flugschreiber ausgewertet. Wie das Ministerium für zivile Luftfahrt mitteilte, konnten die Informationen vom Datenrekorder sichergestellt werden. Der Stimmenrekorder, der Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Copilot sowie weitere Geräusche im Cockpit speichert, sei jedoch zum Teil beschädigt, hieß es.

Der Airbus A321-200 der russischen Gesellschaft Metrojet war am Samstag kurz nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich über dem Sinai in einer Flughöhe von 31.000 Fuß (knapp 9,5 Kilometer) auseinandergebrochen und abgestürzt. An Bord waren fast ausschließlich russische Urlauber aus dem Großraum St. Petersburg.

Großbritannien stoppt Flüge nach Scharm al-Scheich

Hammond warnte vor Flugreisen nach oder über Scharm al-Scheich. Es werde von allen Reisen an den Flughafen des Ferienorts am Roten Meer abgeraten, die nicht notwendig seien. Von Großbritannien würden vorerst keine Flüge mehr nach Scharm al-Scheich starten. Gleiches gilt mittlerweile für Irland und die Niederlande. Aus Deutschland sind keine Einschränkungen des Luftverkehrs bekannt. Das Auswärtige Amt mahnt bei Reisen in die Touristengebiete am Roten Meer generell zu Vorsicht, von individuell organisierten Reisen im Großraum Scharm al-Scheich wird abgeraten.

Nach Angaben des britischen Verbands der Reiseanbieter sitzen in der ägyptischen Urlaubsregion mindestens 9.000 Briten fest, nachdem der Flugverkehr eingestellt wurde. Aber es wird auch eine Anzahl Urlauber geben, die unabhängig gereist sind, hieß es in der Mitteilung.

Ägyptens Außenminister Samih Schukri hatte die britische Entscheidung, Flüge zu stoppen, "vorzeitig und ungerechtfertigt" genannt. Er sei sehr enttäuscht, sagte er der britischen BBC. Auf die Frage, ob er einen Terroranschlag für möglich halte, sagte er dem US-Sender CNN, dies müsse die Untersuchung klären.