Die Angriffe von Paris verstärken in ganz Europa die Angst vor den Flüchtlingen. Einer der Terroristen ist mit ihnen nach Europa eingereist. Die allermeisten Zuwanderer haben mit dem Terror natürlich nichts zu tun, im Gegenteil, sie sind vor Krieg und Terror geflohen. Und die meisten Attentäter von Paris waren in Europa aufgewachsen. Die Angst ist trotzdem verständlich.

Aber schon vor den Attentaten verunsicherten die Berichte über die vielen kriminellen Flüchtlinge die Menschen. Viele Deutsche fürchten sich nicht nur vor Dschihadisten, sondern auch vor Gewalttätern, vor Sozialhilfe-Abzockern oder vor den jungen Muslimen, die angeblich deutschstämmige Frauen vergewaltigen wollen. Umso wichtiger ist es, sich noch einmal die Faktenlage vor Augen zu führen: Deutsche haben hierzulande weitaus weniger Grund, sich vor den Flüchtlingen zu fürchten als umgekehrt.

Das belegt unter anderem die Analyse Kriminalität im Kontext von Zuwanderung, die das Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam mit den Polizeien der Länder und mithilfe des Zolls im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellt hat. Das Ergebnis: Flüchtlinge werden im Schnitt nicht seltener, aber auch nicht häufiger straffällig als Vergleichsgruppen in der hiesigen Bevölkerung. Es gibt durch Asylbewerber und Flüchtlinge keinen überproportionalen Anstieg der Kriminalität. Die Kriminalitätsrate ist zwar in absoluten Zahlen gestiegen, aber deutlich langsamer als die Zahl der Zuwanderer. Der Großteil der zugewanderten Menschen begehe keine Straftaten, er suche vielmehr in Deutschland Schutz und Frieden.

Eine Sonderkommission in Braunschweig unter Leitung des Kriminaldirektors Ulf Küch, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Nur sehr wenige Flüchtlinge werden straffällig – diese dann aber sehr oft. Unterrepräsentiert sind Tatverdächtige aus Syrien und Irak, überrepräsentiert hingegen Menschen aus Serbien, Kosovo und Mazedonien. Sie begehen vor allem Diebstähle, Einbrüche und Raubüberfälle. Immer wieder finden auch Massenschlägereien betrunkener Flüchtlinge in der Landesaufnahmebehörde statt. Darunter leiden dann aber vor allem andere Flüchtlinge: Familien mit kleinen Kindern, die dringend Schutz vor Gewalt brauchen.

Umgekehrt aber wurden in Deutschland in diesem Jahr schon 490 Anschläge auf Asylunterkünfte verübt. Einzelne Flüchtlinge werden immer wieder Opfer von brutaler Gewalt: So ist am vergangenen Mittwoch eine 21-jährige Somalierin, die im achten Monat schwanger ist, im brandenburgischen Bad Belzig mitten am Tag vor einem Supermarkt krankenhausreif geschlagen worden. Unter Verdacht stehen nun drei Teenager: zwei Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren sowie ein 14-jähriges Mädchen. Gegen sie wird derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Somalierin liegt nach wie vor schwer verletzt im Krankenhaus. Ob das Ungeborene überleben wird, weiß noch niemand.