Die Bundespolizei ist mit einer groß angelegten Razzia in drei Bundesländern gegen international organisierte Schleuserbanden vorgegegangen. Schwerpunkt der Durchsuchungen war Nordrhein-Westfalen. Aber auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg gab es Aktionen, bestätigte eine Sprecherin der Bundespolizei in Sankt Augustin bei Bonn. Insgesamt fanden an 24 Orten Durchsuchungen statt.

Die Ermittlungen richten sich gegen 17 Beschuldigte, die Libanesen und Syrer illegal nach Deutschland gebracht haben sollen. Der 24 Jahre alte Hauptbeschuldigte wurde in Essen verhaftet, teilten die Staatsanwaltschaft Hildesheim und die Bundespolizeidirektion Hannover mit. Die Bande soll falsche Ausweise besorgt, Urkunden gefälscht und die Menschen gewerbsmäßig nach Deutschland geschleust haben. Bis zu 10.000 Euro pro Person sollen die Schleuser für die illegale Einreise gefordert haben. Die Schleusung erfolgte überwiegend über den Luftweg.

Bei der Aktion waren etwa 500 Beamte der Bundespolizei unter anderem aus Essen, Gelsenkirchen und Hildesheim beteiligt. Unter ihnen seien Spezialeinsatzkräfte gewesen, da bei einigen Beschuldigten "von einer besonderen Gefährdungslage auszugehen war", wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Außerdem wurde die Aktion von der Landespolizei unterstützt.

Die Polizei stieß bei der Razzia neben Pässen und Ausweisen auch auf mehrere Macheten, Schwerter, Messer, Munition für Handfeuerwaffen und eine Laserzieleinrichtung für ein Gewehr.

Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hildesheim zur Verfolgung der organisierten Schleuser-Kriminalität. Die Beschuldigten sollen Libanesen und Syrer mit gefälschten Reisedokumenten und Aufenthaltserlaubnissen ausgestattet haben. In einigen Fällen habe aber bereits die Grenzpolizei bei Zwischenstationen im Ausland die Dokumente als Fälschungen erkannt und die Geschleusten vorläufig gestoppt.

Erst vor kurzem hatte der Bundesnachrichtendienst angesichts der vielen Flüchtlinge aus Afghanistan vor einem internationalen Schleppernetzwerk gewarnt. Bei seinen Analysen der Fluchtrouten habe der deutsche Auslandsgeheimdienst "eine hochprofessionelle Schleuserstruktur ausgemacht, deren Netzwerk über die Türkei bis nach Griechenland, Italien und Frankreich reicht", sagte BND-Präsident Gerhard Schindler.