Wie viele Attentäter griffen an?

Die genaue Zahl der Angreifer ist noch nicht bekannt. Sicher ist, dass sieben Täter tot sind: Nahe des Stade de France sprengten sich drei Männer in die Luft, zwei von ihnen unmittelbar vor den Stadioneingängen, ein dritter vor einem Burger-Restaurant. Ein weiterer Täter verübte einen Selbstmordanschlag auf das Café Comptoir Voltaire, das am Boulevard Voltaire liegt. Im Bataclan zündeten zwei Angreifer ihre Sprengstoffsätze, als die Sicherheitskräfte das Gebäude stürmten. Ein dritter Täter wurde von der Polizei erschossen. Zudem feuerten mehrere Bewaffnete aus einem Auto auf Gäste von Bars und Restaurants rund um die Place de la République.

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Wer sind die Attentäter?

Zu den Attentaten bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Deren Erklärung halten Fachleute für echt. Ob sie inhaltlich wahr ist, lässt sich nicht prüfen. In den vergangenen Monaten hatte der IS Frankreich wiederholt gedroht, weil das Land in Syrien und im Irak gegen die Islamisten kämpft. Die Männer, die das Konzerthaus Bataclan stürmten, sollen laut Augenzeugen "Allahu Akbar", Allah ist groß, gerufen haben.  

Über die sieben getöteten Täter ist noch wenig bekannt.

  • Einer der Männer, die im Kulturhaus Bataclan mit Maschinengewehren auf die Besucher schossen und sich danach selbst töteten, ist ein am 21. November 1985 geborener Franzose aus Courcouronnes im Departement Essonne. Ismaël Omar Mostefaï war zwischen 2004 und 2010 acht Mal polizeilich aufgefallen, stets wegen Kleindelikten. Der französische Inlandsgeheimdienst führte ihn auf einer Liste verdächtiger Personen. Im Kulturhaus Bataclan sprengte er sich in die Luft, ein Fingerabdruck ermöglichte seine Identifizierung.
  • Ein weiterer Selbstmordattentäter aus dem Bataclan stand schon einmal wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung unter Verdacht. Gegen den 1987 in Drancy bei Paris geborenen Samy Animour wurde wegen einer versuchten Reise in den Jemen 2012 ermittelt. Die Polizei suchte ihn mit internationalem Haftbefehl.
  • Einer der Täter, der sich am Stadion in die Luft sprengte, wollte ins Stade du France hinein, die Security entdeckte aber seine Sprengstoffweste. Warum er nicht festgehalten wurde, ist unklar. Er hatte einen syrischen Pass, ausgestellt auf den Namen Ahmad al-Mohammad, geboren 1990 im syrischen Idlib. Der Passinhaber hatte sich laut griechischer Regierung am 3. Oktober auf der Insel Leros als Flüchtling registriert. Der dort abgenommene Fingerabdruck passt zu einem am Tatort gefundenen abgetrennten Finger und der Attentäter war der einzige Getötete an diesem Ort. Die französische Polizei schließt aber nicht aus, dass der Ausweis gefälscht ist.
  • Einer der weiteren Selbstmordattentäter am Stadion war Bilal Hadfi, ein 20-Jähriger, der schon in Syrien für den "Islamischen Staat" gekämpft haben soll. Auch er soll versucht haben, in das Stadion hineinzukommen. Warum er scheiterte, ist unklar.
  • Der Mann, der sich am Boulevard Voltaire in die Luft sprengte, ist nach Informationen aus Ermittlerkreisen der 31 Jahre alte Brahim Abdeslam. Er soll den schwarzen Seat gemietet haben, mit dem mehrere Attentäter im zehnten und elften Arrondissement unterwegs waren, als sie dort mit Kalaschnikows auf Kneipengäste schossen.

Unter den weiteren Tatverdächtigen ist mindestens ein Franzose. Sie kamen offenbar aus verschiedenen Ländern und hatten verschiedene Staatsangehörigkeiten. Bisher bekannt sind folgende Details: 

  • Derzeit sucht die französische Polizei per internationalem Haftbefehl nach einem 26-jährigen Mann. Auf den Namen von Salah Abdeslam wurde der schwarze VW Polo gemietet, mit dem die Täter zum Bataclan fuhren. Salah ist in Brüssel geboren. Salah und mehrere Begleitpersonen aus Brüssel gerieten kurz nach den Anschlägen in einem Auto an der Grenze zu Belgien in eine Kontrolle, er wurde aber nicht festgenommen. Zu dem Zeitpunkt wusste die Polizei, dass er den VW Polo gemietet hatte. Salah ist der jüngere Bruder des Attentäters Brahim. Gemeinsam hatten die Brüder vom 10. bis 17. November eine Wohnung im östlichen Pariser Vorort Bobigny gemietet. Am 9. September war Salah Abdeslam in Deutschland und Oberösterreich unterwegs gewesen.
  • Als Koordinator der Anschläge sehen die Ermittler den polizeibekannten belgischen Dschihadisten Abdelhamid Abaaoud. Er soll mit zwei der Selbstmordattentäter befreundet gewesen sein und laut Medien in Syrien gekämpft haben sowie in IS-Propagandavideos aufgetreten sein. Abaaoud war der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er war mehrmals in Deutschland und an mehreren Anschlägen und Attentatsversuchen in Europa beteiligt. Er kommt aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek und soll zuletzt in Syrien gelebt haben. Nach den Anschlägen filmte ihn eine Überwachungskamera in der Metro. Bei einer Razzia fünf Tage nach den Anschlägen in Saint-Denis nördlich von Paris erschoss ihn die Polizei. Seine Cousine Hasna ait Boulahcen sprengte sich in die Luft.
  • Ein potenzieller weiterer Täter war am 5. November in Bayern im Rahmen einer Schleierfahndung festgenommen worden. Der aus Montenegro stammende 51-Jährige transportierte in seinem VW Golf acht Kalaschnikows, zwei Pistolen, einen Revolver, zwei Handgranaten und 200 Gramm TNT-Sprengstoff. In seinem Navigationsgerät hatte der Mann die französische Hauptstadt als Ziel angewählt. Zu den Anschlägen verweigert er die Aussage. Die deutschen Ermittler hatten die französischen Behörden laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière davon in Kenntnis gesetzt: "Meines Wissens nach waren die französischen Behörden informiert."

Die Anschlagsorte in Paris

Was war passiert?

Fast zeitgleich eröffneten Attentäter am Abend des 13. November das Feuer auf Gäste von Bars und Restaurants rund um die Place de la République sowie auf Besucher eines Konzerts der amerikanischen Indie-Band Eagles of Death Metal in dem Veranstaltungsgebäude Bataclan. Fast gleichzeitig erschütterten mehrere Explosionen die Umgebung des Fußballstadions Stade de France im Norden der Stadt. Dort fand ein Freundschaftsspiel zwischen der deutschen und der französischen Nationalmannschaft statt.

Wie ist es passiert?

  • Mehrere Attentäter fuhren mit einem schwarzen Seat vor mehreren Restaurants in der Nähe der Place de la République vor und schossen mit Kalaschnikows zunächst wahllos auf Gäste, die draußen Platz genommen hatten. Ein Attentäter lief in ein Café und sprengte sich in die Luft.
  • Im Kulturhaus Bataclan hatte die Band etwa eine halbe Stunde gespielt, als die Attentäter zu schießen begannen. Einige Besucher sagten, sie hätten anfangs vermutet, der Krach sei Teil der Show. Viele konnten fliehen, bevor die Attentäter Geiseln nahmen. Andere versteckten sich mehrere Stunden lang in dem Gebäude. Kurz vor halb eins stürmten Spezialeinheiten den Saal. Etwa eine halbe Stunde später war die Geiselnahme beendet.
  • Nahe des Stade de France sprengten sich drei Attentäter in die Luft. Die Explosionen waren im Stadion zu hören. Das Fußballspiel wurde nicht unterbrochen. Laut Wall Street Journal hatte ein Attentäter versucht, mit einer Sprengstoffweste ins Stadion zu kommen, wurde aber zurückgehalten. Offiziell bestätigt ist das nicht.

Wo sind die Fahrzeuge der Täter?

Den schwarzen Seat, den der getötete Attentäter Brahim Abdeslam mietete, fand die Polizei zwei Tage nach den Anschlägen in einem Vorort im Pariser Vorort Montreuil. Einige Tatbeteiligte sind also auf der Flucht. In dem Wagen fand die Polizei drei Kalaschnikows. Wo sich der schwarze VW Polo befindet, der am Tatort Bataclan gesehen wurde, ist unbekannt. Das Auto, in dem Salah Abdeslam an der Grenze zu Belgien kontrolliert wurde, fand die Polizei bei einer der Razzien in Brüssel-Molenbeek. Ein weiterer verdächtiger Mietwagen mit belgischem Kennzeichen wurde in der Nähe des Pariser Friedhofs Père Lachaise entdeckt. 


Wie viele Menschen starben?

Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft kamen mindestens 130 Menschen ums Leben. Mindestens 89 Menschen starben im Kulturhaus Bataclan, 40 an den anderen Anschlagsorten. 352 Menschen seien verletzt worden, 42 von ihnen waren anfangs in kritischem Zustand. Unter den Opfern sind Menschen aus verschiedenen Ländern, unter anderem zwei Mexikaner, ein Marokkaner und ein Rumäne sind getötet worden. Auch ein 28-jähriger Architekt aus Oberbayern und ein 51-jähriger Niedersachse aus Dijon starben. Ob auch Deutsche verletzt wurden, ist unklar.

Wie ändert sich der Kampf gegen den IS?

Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien. Nach den Anschlägen von Paris bombardierten zehn französische Jagdbomber die syrische IS-Stellung Rakka und zerstörten laut Militär eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen. Die internationale Staatengemeinschaft will zudem versuchen, IS-Finanzströme zu stoppen.

Mit welchen Einschränkungen müssen Franzosen und Touristen nun rechnen?

Frankreich hat Grenzkontrollen wieder eingeführt und für drei Monate den Notstand ausgerufen. Diese Maßnahme war bereits zuvor beschlossen worden und seit Freitag in Kraft, um die Sicherheit während des Klimagipfels COP 21 ab dem 30. November zu gewährleisten. Sicherheitskräfte erhielten zudem umfassende Befugnisse, Personenkontrollen durchzuführen, Wohnungen, Geschäfts- und Vereinsräume zu durchsuchen sowie Veranstaltungsräume zu schließen. Am Wochenende nach den Anschlägen waren Schulen, Universitäten, Museen, Bibliotheken, Schwimmbäder und viele andere öffentliche Einrichtungen in der Region Paris geschlossen geblieben. Frankreich schützt zudem seine Botschaften und Konsulate sowie Schulen und kulturelle Einrichtungen im Ausland stärker.

Kann der Klimagipfel wie geplant stattfinden?

Die französische Regierung will Diplomatenkreisen zufolge den Weltklimagipfel in Paris ungeachtet der Anschlagsserie weder verschieben noch absagen. Eine derartige Reaktion werde nicht erwogen, sagte ein ranghoher Diplomat. Allerdings würden voraussichtlich die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Auf der Klimakonferenz vom 30. November bis 11. Dezember soll eine Nachfolgeregelung für das 2020 auslaufende Kyoto-Protokoll vereinbart werden. Erwartet werden Delegationen aus fast 200 Ländern.