Eilmeldung: "Schüsse und Explosionen in Paris" – als die Nachricht auf meinem Display auftaucht, bin ich auf einem Konzert. Deep Purple, Oberhausen. Der Empfang in der Halle ist zu schlecht, um sofort mehr zu erfahren.

Wie oft habe ich schon solche Eilmeldungen gelesen. Oder geschrieben. Immer war das, was passierte, weit weg. Nicht zwingend geografisch, aber halt weit weg von meinem eigenen Leben. Auch wenn es in Europa passierte, in Städten, die ich kenne.

Am vergangenen Freitag lässt mir das schlechte Handynetz noch eine Stunde heile Welt. Dann ändert sich alles. Sobald ich die Halle verlasse, treffen all die verpassten Meldungen auf einmal ein; über ZEIT ONLINE, WhatsApp, Facebook, Twitter. Sechs Attentate und zu diesem Zeitpunkt mindestens 40 Tote – sie sind hier. Bis Freitag war Terrorismus kein bedeutsamer Teil meines Lebens. Seit dem 13. November um 22:25 Uhr gehört er dazu.

Wer macht so etwas? Warum? Wieso ließ sich das Massaker nicht verhindern? Es sind Fragen, die wir Journalisten jedes Mal beantworten sollen, wenn in der Welt ein Attentat geschieht. Schon nach den Angriffen auf die Journalisten von Charlie Hebdo gab es viele Erklärungsversuche. Ich habe sie gelesen und abgewogen. Jetzt habe ich keine Antworten.

Sicher, nach Paris ist nicht alles anders – aber genug. Diese Anschläge vom 13. November fühlen sich anders an als der Terror, den ich bislang mitbekommen habe. Die RAF und das Attentat von München sind für mich Geschichte, ich bin 1987 geboren. Der 11. September 2001 war vor allem ein Thema, das wir in der Schule diskutiert haben. Zur Zeit der Anschläge in Madrid 2004 und London 2005 war ich nach einem Jahr in den USA mehr damit beschäftigt, ein gutes Abitur vorzubereiten, als mit Weltpolitik. Spontane Wochenendtrips in Großstädte gehörten damals nicht zu meinem Alltag. Noch beschränkte sich mein Bekanntenkreis weitgehend auf Deutschland.