Fremdenfeindlichkeit, Pegida-Aufmärsche, strukturschwache Regionen: Viele Flüchtlinge verlassen Sachsen und ziehen in westdeutsche Ballungsgebiete. Das berichtet die Freie Presse. Demnach registrierten sächsische Kommunen und Jobcenter eine starke Abwanderung von Menschen, denen der Flüchtlingsstatus schon zuerkannt wurde und die mit einer Aufenthaltserlaubnis ihren Wohnort frei wählen können. Flächendeckende Zahlen für Sachsen fehlten bislang, einzelne Regionen verzeichneten aber deutliche Abgänge. Auch die Landesregierung habe den Trend bestätigt.

So wurden etwa im Erzgebirgskreis in den ersten drei Quartalen 2015 laut Kreisverwaltung 126 Personen als Asylberechtigte anerkannt, berichtet die Zeitung. Lediglich 30 von ihnen registrierten sich demnach beim dortigen Jobcenter. "Zwei Drittel der Leute ziehen weg", sagte der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt, Frank Reißmann, der Zeitung. Ähnlich sei die Situation in Mittelsachsen, dort verließen sogar drei Viertel der Menschen die Region.

Experten vom Sächsischen Flüchtlingsrat oder der Agentur für Arbeit nennen ökonomische Probleme als Hauptursache für die Binnenwanderung. In westdeutschen Ballungsräumen fänden die Flüchtlinge starke Netzwerke ihrer Landsleute sowie bessere Arbeitsangebote. Hinzu komme die im ländlichen Raum fehlende Mobilität. Aber auch die asylfeindliche Stimmung in Sachsen sei ein Faktor, der die Flüchtlinge vertreibe.

Syrer, die die Freie Presse in Freiberg befragte, berichteten, fast alle ihre Landsleute planten nach Erhalt des Bleiberechts den Wegzug in den Westen oder seien bereits gegangen – nach Düsseldorf, Dortmund, Hagen, Hannover und Passau. Die Befragten nannten als Gründe auch "spürbare Vorbehalte gegenüber Fremden und Pegida-Aufmärsche".

Am Wochenende berichtete auch die Saarbrücker Zeitung, aus Erstaufnahme-Einrichtungen in Ostdeutschland würden Tausende Flüchtlinge "verschwinden". Bis zu 30 Prozent der auf die neuen Bundesländer verteilten Flüchtlinge würden die dortigen Einrichtungen in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft schon wieder verlassen, habe eine Umfrage der Zeitung bei den Innenministerien der ostdeutschen Länder ergeben.

Demnach kamen in diesem Jahr bisher rund 30.300 Flüchtlinge nach Brandenburg, aber nur rund 24.600 sind derzeit dort untergebracht. Der Rest sei "einfach verschwunden", zitierte das Blatt einen Regierungsvertreter.

Flüchtlinge werden in Deutschland nach einem bestimmten Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Grundsätzlich sollen Asylbewerber in der Erstaufnahme bleiben, bis über ihre Anträge entschieden ist. Sobald das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Flüchtling als asylberechtigt anerkannt hat, bekommt er keine Leistungen mehr nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und muss beim Jobcenter Hartz IV beantragen. Ab diesem Moment dürfen die Menschen ihre Wohnort frei wählen.