In Peking herrscht wegen einer neuen Smog-Wolke erstmals Alarmstufe Rot. Seit dem Morgen darf entsprechend einem Kennzeichensystem mit geraden und ungeraden Zahlen nur die Hälfte aller privaten Autos auf die Straße. Überdies sollen 30 Prozent der Regierungsfahrzeuge stehen bleiben. Fabriken mit hohem Schadstoffausstoß und Baustellen müssen die Arbeit einstellen, auch das Zünden von Feuerwerkskörpern und Grillen ist verboten. Alle Schulen und Kindergärten wurden geschlossen.

"Die Menschen sollten ihr Möglichstes tun, um Aktivitäten im Freien zu vermeiden", hieß es seitens der Pekinger Umweltschutzbehörde. Sollten die Menschen dennoch ins Freie gehen, werde zu einem Mundschutz oder anderen Vorsichtsmaßnahmen geraten. "Ziel ist es, die öffentliche Gesundheit zu schützen und den Grad der starken Luftverschmutzung zu senken."

Es ist das erste Mal seit dem Erlass der neuen Smog-Vorschriften 2013, dass die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde. Schon vergangene Woche hatte die Konzentration gefährlichen Feinstaubs in der chinesischen Hauptstadt mit ihren 22,5 Millionen Einwohnern bedenkliche Werte erreicht. Zur Alarmstufe Rot – der höchsten von vier Stufen des Umweltalarms – kam es nun, weil noch mindestens drei weitere Tage heftigen Smogs vorhergesagt sind. Dieser entsteht, wenn sehr starke Luftverschmutzung und hohe Luftfeuchtigkeit zusammenkommen und kaum Wind herrscht.

Die Konzentration der für die Lunge schädlichen Kleinstpartikel lag nach offiziellen Angaben bei 300 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – ein Vielfaches des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation von 25 Mikrogramm. Es wurde erwartet, dass die Werte noch steigen.

Die Umweltbelastung in Peking ist seit Jahren sehr hoch, auch wenn sie in den ersten zehn Monaten von 2015 etwas sank. Trotzdem kommt es immer wieder zu Phasen dichten Smogs. Die Folgen sind dramatisch: Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts, veröffentlicht jüngst in der Zeitschrift Nature, sterben schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen jährlich wegen der Luftverschmutzung vorzeitig.

Zentraler Akteur auf Klimagipfel

Als Hauptverursacher gilt die Kohle – China bezieht mehr als 60 Prozent seiner Energie daraus –, hinzu kommen der starke Verkehr, die Bauwirtschaft und Fabriken. Ärzte warnen, dass die Feinpartikel direkt ins Blut gehen und Krebs erregen können. Die hohen Schadstoffbelastungen schwächten auch grundsätzlich das Immunsystem und erleichterten den Ausbruch von Atemwegs- oder Herz- und Kreislauferkrankungen. Besonders alte und junge Menschen seien gefährdet.

Bei der aktuellen UN-Klimakonferenz in Paris ist China als der weltweit größte Emittent von klimaschädlichen Gasen ein zentraler Akteur. Von den Zusagen Pekings hängt auch das Verhalten anderer wichtiger Länder ab. Im Juni hatte Peking angekündigt, seine CO2-Emissionen ab 2030 nicht mehr zu steigern.