Vor geschätzt 40.000 Menschen hat Papst Franziskus in seiner Weihnachtsbotschaft den vielen Menschen gedankt, die sich weltweit für Migranten und Flüchtlinge einsetzen. Er wolle denjenigen Trost spenden, "die auf der Flucht vor Elend oder Krieg allzu häufig unter unmenschlichen Bedingungen unterwegs sind und nicht selten ihr Leben riskieren", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Rom. "Mögen all jene – Einzelne und Staaten – mit reichem Segen belohnt werden, die sich großherzig einsetzen, um den zahlreichen Migranten und Flüchtlingen beizustehen und sie aufzunehmen, und ihnen helfen, für sich und ihre Lieben eine würdige Zukunft aufzubauen."

Zugleich äußerte der Papst von der Loggia des Petersdoms aus die Hoffnung, dass die Friedensbemühungen in Syrien – einem der Hauptherkunftsländer der derzeit in Europa ankommenden Flüchtlinge – Erfolg haben werden. Er erbitte, "dass die vor den Vereinten Nationen erreichte Übereinkunft baldmöglichst das Waffenrasseln in Syrien zum Schweigen bringen und der äußerst ernsten humanitären Situation der zermürbten Bevölkerung abhelfen kann". Auch an das Elend der Menschen in anderen Krisenländern wie Libyen, dem Irak und dem Jemen erinnerte Franziskus.

"Meine Gedanken gehen auch zu all denen, die von unmenschlichen terroristischen Aktionen betroffen waren, besonders von den jüngsten Massakern unter ägyptischem Himmel, in Beirut, Paris, Bamako und Tunis", sagte der Papst weiter. Er prangerte zugleich an, dass die Terroristen bei ihren Aktionen "nicht einmal das historische und kulturelle Erbe ganzer Völker schonen".

"Rückwärtsgewandt, defensiv, misstrauisch und ängstlich"

Der Papst plädierte zudem für eine Wiederaufnahme der Nahost-Friedensgespräche. "Mögen Israelis und Palästinenser wieder in direkten Dialog miteinander treten und zu einer Übereinkunft gelangen, die den beiden Völkern erlaubt, in Harmonie zusammenzuleben und so einen Konflikt zu überwinden, der sie lange Zeit gegeneinander gestellt hat, mit schweren Auswirkungen für die gesamte Region." Nach dem Verlesen seiner Weihnachtsbotschaft spendete der Papst den traditionellen Segen Urbi et Orbi (der Stadt und dem Erdkreis).

Auch in Weihnachtspredigten in Deutschland spielte das Thema Flüchtlinge eine zentrale Rolle. So zog etwa der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, einen direkten Bezug von der biblischen Erzählung über die Flucht der Heiligen Familie vor König Herodes nach Ägypten zum heutigen Flüchtlingsthema. "Ägypten gewährte den Flüchtlingen Maria, Joseph und dem Jesuskind damals Asyl", sagte er in einem Gottesdienst mit Geflüchteten und Flüchtlingshelfern im Münchner Hauptbahnhof.

Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, verwies in seiner Predigt auf die "Perspektive der Hoffnung", die sich aus der Weihnachtsbotschaft ergebe. Er wandte sich damit auch gegen eine "Kultur, die sich verschließt, rückwärtsgewandt, defensiv, misstrauisch und ängstlich ist".