Papst Franziskus besucht ein Krankenhaus in der Zentralafrikanischen Republik. © Osservatore Romano/Reuters

Für Papst Franziskus steht ein Überdenken des kirchlichen Kondomverbots angesichts der Immunschwächekrankheit Aids nicht auf der Tagesordnung. Ihm gefalle es nicht, sich mit "derart kasuistischen" Fragen und Überlegungen zu beschäftigen, sagte Franziskus auf die Frage eines Journalisten, ob es angesichts der nach wie vor großen Zahl von Aids-Toten in Afrika nicht Zeit für eine Lockerung des Kondomverbots sei.

Zugleich deutete das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Rückflug von seiner Afrikareise einen gewissen Ermessensspielraum in der Frage an. Die kirchliche Moral stehe hier vor einem Dilemma, so der Papst. Sie müsse zwischen dem Schutz des Lebens und der Offenheit von Sexualität für die Zeugung von Kindern abwägen – "entweder das fünfte oder das sechste Gebot".

Als eigentliche Probleme in Afrika bezeichnete er Unterernährung, Sklavenarbeit, Mangel an Trinkwasser, soziale Ungerechtigkeit und Kriege. Die vom HI-Virus verursachte Immunschwächekrankheit Aids ist in Afrika die Todesursache Nummer eins bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Jede Stunde stecken sich laut Unicef weltweit 26 Menschen mit dem HI-Virus an. Die katholische Kirche lehnt Verhütungsmittel ab. Der Welt-Aids-Tag wird von den Vereinten Nationen jedes Jahr am 1. Dezember organisiert, um auf das Thema Aids aufmerksam zu machen.  

Papst Franziskus besuchte im Rahmen seiner Afrikareise unter anderem Uganda. Das ostafrikanische Land hat eine der höchsten Aids-Raten weltweit. In Uganda traf er mit einer aidskranken Frau zusammen, äußerte sich jedoch nur kurz zu dem Thema. Das Verbot von künstlichen Verhütungsmitteln ist bis heute auch innerkirchlich umstritten. Bereits Benedikt XVI. hatte in einem 2010 erschienenen Interview-Buch mit Blick auf Aids gesagt, eine Verwendung von Kondomen könne in begründeten Einzelfällen das kleinere Übel sein.