Die Stadt Dschalalabad wird immer wieder von Anschlägen erschüttert. © Zabiullah Ghazi/Getty Images

Ein Selbstmordattentäter hat sich im Osten Afghanistans in die Luft gesprengt und dabei 14 Menschen getötet. Der Anschlag ereignete sich nach Behördenangaben während einer Dschirga, einer afghanischen Stammesversammlung, vor dem Haus eines Politikers in der Provinzhauptstadt Dschalalabad. Dabei seien 13 weitere Menschen verletzt worden. Der Politiker Obaiduallah Schinwari, der zu der Versammlung in sein Haus eingeladen hatte, blieb unverletzt.

Einer seiner Brüder sei aber getötet worden, teilte die Gesundheitsbehörde der Provinz Nangarhar mit. Zudem sei Schinwaris Vater, ein Stammesältester, unter den 13 Verletzten. Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban erklärte, die Gruppe habe nichts mit dem Anschlag zu tun. Allerdings distanzieren sich die Taliban regelmäßig von Anschlägen, bei denen viele Zivilisten getötet wurden.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag von Dschalalabad. Die Regierung werde alle bekämpfen, die "das Blut unserer unschuldigen Bürger vergießen". Die Terroristen könnten den afghanischen Streitkräften im Kampf nur noch wenig entgegensetzen, sagte er.

Enttäuschte Taliban-Anhänger gehen zum IS

Dschalalabad liegt an der Hauptverbindungsstraße zwischen der afghanischen Hauptstadt Kabul und Pakistan. Die Stadt wird immer wieder von Anschlägen erschüttert. Erst am Mittwoch waren bei einem Anschlag nahe dem pakistanischen Konsulat in Dschalalabad sieben afghanische Sicherheitskräfte getötet worden. Zu dieser Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

In der Provinz Nangarhar bekennen sich immer mehr Extremisten zum IS, der große Gebiete in Syrien und im Irak kontrolliert. Die Dschihadisten haben in Afghanistan vor allem Zulauf von enttäuschten Taliban-Anhängern. Der wachsende Einfluss des IS in Afghanistan zeigt sich auch darin, dass er mittlerweile eine eigene Radiosendung in paschtunischer Sprache ausstrahlt. Die afghanische Regierung versucht, die Ausstrahlung der Sendung Stimme des Kalifats zu unterbinden, die von einem unbekannten Ort aus erfolgt.

In der vergangenen Woche hatten Vertreter Afghanistans, Pakistans, der USA und Chinas in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad einen neuen Anlauf zu Friedensverhandlungen mit den Taliban gestartet. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden.