In Hessen wurde in der Nacht auf Montag auf eine Flüchtlingsunterkunft geschossen. Das berichtete der Sender hr-Info unter Berufung auf die Polizei. Auf ein Fenster des Gebäudes seien mehrere Schüsse abgegeben worden, dabei wurde ein schlafender Bewohner getroffen und leicht verletzt.

Der Vorfall ereignete sich in Dreieich-Dreieichenhain im Landkreis Offenbach in Südhessen. Über nähere Hintergründe und das Motiv der Tat ist derzeit noch nichts bekannt. 

Nach Angaben der Polizei wurden gegen 2.30 Uhr "mehrere Schüsse" auf die Unterkunft abgegeben; sie durchschlugen ein Fenster und verletzten einen dort schlafenden 23-jährigen Asylbewerber leicht. Der Mann sei ins Krankenhaus gebracht worden, habe die Klinik aber schon wieder verlassen können.

Ein 27 Jahre alter Syrer, der in dem Heim wohnt, sagte dem Hessischen Rundfunk, eine vermummte Gestalt habe gezielt sechs bis sieben Mal mit einer Handfeuerwaffe geschossen.

Wer die Schüsse abgegeben hat, ist noch unklar. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte der Polizeisprecher der FAZ. Die Polizei hat das Gelände um die Unterkunft abgesperrt. "Das war ein gezielter Angriff, durch den für die Bewohner der Unterkunft eine hohe Gefahr ausging", sagte Nina Reininger, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte, man dürfe nicht zusehen, wie sich die Spirale der Gewalt weiterdrehe. Der Rechtsstaat dürfe und werde das nicht hinnehmen, schrieb Maas.

Dreeichs Erster Stadtrat Martin Burlon sagte ZEIT ONLINE, er sei "entsetzt und fassungslos" und verurteile "diesen feigen Anschlag". Die Stadtverwaltung stehe in engem Kontakt mit den Ermittlungsbehörden. "Dem verletzten Mann wünsche ich eine rasche Genesung und hoffe, dass die Täter schnell ermittelt werden", sagte Burlon.

In Dreieich sind derzeit 430 Flüchtlinge untergebracht, wie eine Sprecherin der Stadt ZEIT ONLINE sagte. Ein Teil der Menschen sei in zwölf größeren Einrichtungen untergebracht, in denen jeweils 15 bis 30 Flüchtlinge wohnen würden. Der Rest lebe in Wohnungen in der Stadt. Die betroffene Unterkunft in der Gleisstraße beherberge derzeit 30 Personen in zwei räumlich getrennten Bereichen: In dem Teil des Hauses, der beschossen wurde, leben 14 Männer aus Syrien und einer aus Afghanistan; im zweiten Gebäudeteil seien Familien untergebracht.

Probleme bei der Aufnahme oder Beschwerden der Bevölkerung habe es nicht gegeben. "Absolut positiv" seien die Erfahrungen bislang, es gebe ein großes ehrenamtliches Engagement der Bürger. Hinweise auf Hintergründe der Tat lägen der Stadt nicht vor.