Die Zahl der Straftaten an Flüchtlingsunterkünften ist im letzten Jahr deutlich gestiegen. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte nach eigenen Angaben insgesamt 1.005 Delikte gegen Einrichtungen für Flüchtlinge, im Vorjahr waren es 199 gewesen. 901 der Taten wurden als politisch motivierte Kriminalität (PMK) dem rechten Spektrum zugeschrieben. Im gesamten Jahr 2014 waren es noch 177.

Einen besonders deutlichen Anstieg gab es demnach bei Gewalttaten und Brandstiftungen. Nach 28 Gewalttaten im Jahr 2014 waren es im vergangenen Jahr 173. Brandanschläge gegen Flüchtlingsheime gab es im vergangenen Jahr 92 – das sind 15-mal mehr als 2014.

Seit dem 1. Januar 2016 hat das BKA weitere 10 Gewalttaten gegen Asylunterkünfte erfasst. Im Januar hatte die Behörde bereits vorläufige Zahlen veröffentlicht, die jedoch noch deutlich unter den endgültigen Zahlen gelegen hatten.

BKA-Chef Holger Münch sagte Spiegel Online: "Der dramatische Anteil der Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte bereitet uns große Sorgen." Die Taten müssten genauso konsequent verfolgt und bestraft werden wie rechtsextremistische Hetze in sozialen Netzwerken. Letztere sei "der Nährboden für Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit".

Auch ZEIT ONLINE und ZEIT haben im Dezember vergangenen Jahres eine gemeinsame Recherche zur Gewalt gegen Flüchtlinge durchgeführt. Dazu wurden Daten fremdenfeindlicher Straftaten in Deutschland ausgewertet, im Fokus standen jedoch – anders als beim BKA – nur jene Attacken, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind oder zu Schaden hätten kommen können. In der Statistik des BKA sind darüber hinaus kleinere Delikte wie Schmierereien an Flüchtlingsunterkünften aufgeführt.