Henriette Reker hat mit ihrem Hinweis auf Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Übergriffe Empörung ausgelöst. Unter dem Hashtag #EineArmlaenge ließen sich Tausende bei Twitter und Facebook über die Kölner Oberbürgermeisterin aus.

Reker hatte auf einer Pressekonferenz zu den Übergriffen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof angekündigt, die Verhaltenshinweise zu aktualisieren, wie Frauen sich auf Partys verhalten sollten. Zu den Regeln gehöre zum Beispiel, zu Fremden eine Armlänge Distanz zu halten, sagte Reker in der Pressekonferenz auf die Nachfrage einer Journalistin: "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die mehr als eine Armlänge betrifft." Zudem sollten Frauen darauf achten, unter den eigenen Freunden zu bleiben und sich von diesen nicht trennen zu lassen.

Auch solle es Verhaltensregeln für Karnevalisten "aus anderen Kulturkreisen" geben, "damit hier nicht verwechselt wird, was ein fröhliches Verhalten ist in Köln und was mit Offenheit, insbesondere sexueller Offenheit, überhaupt nichts zu tun hat". Die Verhaltensregeln der Stadt Köln sehen zudem vor, im Notfall konkret Umherstehende um Hilfe zu bitten und als Zeuge einzugreifen oder die Polizei zu informieren.

Der Hinweis auf Präventionsmaßnahmen für Frauen gegen sexuelle Übergriffe wurde angesichts der Vorfälle in Köln als falsche Schuldzuweisung, mindestens jedoch als naiv wahrgenommen. Reker solle vielmehr die Täter verfolgen und für Sicherheit in öffentlichen Räumen für Frauen sorgen, kritisierten Tausende in den Sozialen Netzwerken.  

Allerdings hatte Reker lediglich auf allgemeine Vorsichtsmaßnahmen verwiesen, die von Experten erstellt worden waren. Dass sich damit Übergriffe wie zu Silvester verhindern ließen, hat sie nicht behauptet. Vielmehr sollten die Hinweise dazu beitragen, Übergriffe bei Großveranstaltungen in Zukunft zu vermeiden, zum Beispiel beim anstehenden Karneval. Zudem ging der Verweis auf die Verhaltenstipps einher mit der Ankündigung weiterer Maßnahmen der Polizei, etwa dem Ausbau der Videoüberwachung.

Bisher ist nicht geklärt, was genau sich vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht abspielte. Bundesinnenminister Thomas de Maizière kritisierte die Arbeit der dortigen Polizei. "So kann die Polizei nicht arbeiten." Auf die Frage, ob die Polizei versagt habe, antwortete de Maizière: "Die gleiche Frage habe ich auch. Das müssen die Verantwortlichen vor Ort klären." Knapp 300 Menschen demonstrierten am Dienstagabend vor dem Kölner Dom gegen Gewalt gegen Frauen.