Nach Einschätzung von BKA-Chef Holger Münch haben sich die Täter der Silvesternacht in Köln bei ihrem Vorgehen gegen Frauen abgestimmt: Schon jetzt sei klar, dass die Täter sich verabredet hätten, sagte Münch dem rbb Inforadio. Für ihre Taten hätten sie sich gezielt verabredet. "Sie kamen aus dem überregionalen Raum, sowohl in Köln als auch in anderen Städten. In der Regel läuft so etwas über Verabredungen in sozialen Netzwerken."

Nun müsse genau ermittelt werden, wo und wie sie das getan haben, um solchen Übergriffen künftig vorzubeugen. Die Behörde trägt derzeit Fakten zu gleich gelagerten Vorfällen aus allen Bundesländern zusammen, um ein genaues Bild der Lage zu ermöglichen.  Man wisse auch, dass für solche Übergriffe gezielt dichte Menschenmengen genutzt werden, sagte Münch. Das sei in der Silvesternacht in mehreren Städten der Fall gewesen.

Die Übergriffe seien jedoch keine Organisierte Kriminalität gewesen. Die habe für ihn eine andere Qualität. "Da reden wir von geschlossenen Gruppierungen, von hierarchischen Gruppierungen, das sehen wir hier nicht." Es sei aber klar, dass die Täter kommuniziert und sich verabredet hätten.

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas hatte das Vorgehen der Täter als geplant bezeichnet. Es liege der Verdacht nahe, "dass hier ein bestimmtes Datum und zu erwartende Menschenmengen herausgesucht" worden seien. "Niemand kann mir erzählen, dass das nicht abgestimmt oder vorbereitet wurde." Maas sagte, es handele sich um "offenbar eine völlig neue Dimension Organisierter Kriminalität".

Münch sagte, das BKA kenne aus einigen arabischen Ländern das Phänomen der gemeinschaftlich begangenen sexuellen Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit. Diese Form der Kriminalität werde dort als "taharrush gamea" (gemeinschaftliche sexuelle Belästigung) bezeichnet. Medien hatten am Montag über einen Notizzettel berichtet, mit dem sich ein möglicher Täter offenbar gezielt auf die Aktionen vorbereitet hatte. Darauf war in Arabisch zu lesen: "Ich werde es dir besorgen" sowie "Ich will dich küssen". 

In der Silvesternacht waren in Köln zahlreiche Frauen von kleineren Männergruppen umzingelt, sexuell belästigt und bestohlen worden. Opfer und Zeugen hatten nach Angaben der Polizei von nordafrikanischen Tätern gesprochen. Erste Ermittlungsergebnisse decken sich damit. Ein Teil der Tatverdächtigen waren Flüchtlinge, die sich mit Dokumenten des Bundesamtes für Migration auswiesen.

Die Zahl der Strafanzeigen stieg inzwischen auf 553. Etwa 45 Prozent der Vorfälle betreffen nach Angaben der Kölner Polizei Sexualdelikte. Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe Neujahr bearbeitet die Fälle. Der Landespolizei sind bisher 23 Verdächtige namentlich bekannt. Die meisten davon – knapp zehn – sind laut Medienberichten Staatsangehörige aus Marokko. Die Bundespolizei identifizierte bisher 32 Verdächtige. Davon sind laut Medien die meisten (22) Staatsbürger Tunesiens, Marokkos und des Iraks. Drei sollen die deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Derzeit berät die Koalition über Gesetzesänderungen. Im Gespräch sind Verschärfungen, die es ermöglichen, straffällig gewordene Asylbewerber und Flüchtlinge schneller ausweisen zu können. Parallel läuft die Diskussion über den Silvester-Einsatz und die Informationspolitik der Polizei.