Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zusammen mit Polizeipräsident Wolfgang Albers © Wolfgang Rattay/Reuters

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich deutlich vom umstrittenen Polizeipräsidenten Wolfgang Albers distanziert. Die ihr von der Polizeiführung geschilderten Fakten gäben nicht das vollständige Bild der Einsatznacht wieder, hieß es in einer Stellungnahme. "Insofern ist mit meinem heutigen Kenntnisstand das Vertrauensverhältnis zur Kölner Polizeiführung erheblich erschüttert."

Die veröffentlichten internen Berichte zeigten, dass die Polizei bereits seit Tagen ein wesentlich differenzierteres Bild zur Lage am Silvesterabend und zur Herkunft möglicher Tatverdächtiger habe, als bislang vermittelt worden sei, teilte Reker mit. "Dass ich diese Informationen, insbesondere zur Herkunft von ermittelten Beteiligten aus der Gruppe der Täter, erst aus den heutigen Medien entnehmen kann, kann ich als Oberbürgermeisterin dieser Stadt nicht akzeptieren."

Dabei konnte Albers die Vorwürfe glaubhaft zurückweisen, die Herkunft von Verdächtigen vertuscht zu haben. Diese Kritik sei "vollkommen abstrus", sagte er. Er habe immer wieder und bereits bei einer Pressekonferenz am 5. Januar verdeutlicht, dass sich während der Silvesternacht am Hautbahnhof kontrollierte Personen mit vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellten Dokumenten ausgewiesen hätten – die Anwesenheit an dem Ort sage aber noch nichts über eine mögliche Täterschaft aus.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Kölner Polizei trotz der Eskalation der Lage am Hauptbahnhof angebotene Verstärkung ablehnte. Das sagte ein Sprecher des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD). Die Duisburger Leitstelle habe insgesamt drei Züge, also 114 Einsatzkräfte, zur Verstärkung gehalten. Diese hätten die ganze Silvesternacht in Aachen, Wuppertal und Gelsenkirchen bereit gestanden.

Leitstelle und Kölner Polizei hätten nach Angaben der Duisburger Stelle die ganze Nacht in Verbindung gestanden. Der Kölner Polizei sei sogar Verstärkung angeboten worden, als sich die Situation verschärfte. Das Angebot wurde ausgeschlagen. "Mir ist keine konkrete Begründung bekannt", sagte der Sprecher laut Kölner Stadt-Anzeiger.

Allerdings räumte ein Sprecher der Stelle auch ein, dass Köln weniger Einsatzkräfte als verlangt für die Silvesternacht erhalten habe. Die Kölner Polizei hätte drei Züge angefordert und zwei Züge bekommen. Das sei aber immer noch doppelt so viel wie in den vergangenen Jahren an Silvester.

Zuvor hatte die Kölner Polizei kritisiert, nicht genügend Beamte für den Einsatz an Silvester zugeteilt bekommen zu haben. Es habe an Unterstützung des Landes gefehlt. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender phoenix, dass der Kölner Polizei tatsächlich vom Land NRW Einsatzkräfte für den Einsatz in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof verweigert wurden. "Ich kann das bestätigen". Es habe aus Köln die Anforderung von 100 zusätzlichen Kräfte gegeben, "30 sind dann zusätzlich gestellt worden", so der GdP-Chef.