Nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof steht auch die Polizei in der Kritik. © Wolfgang Rattay/Reuters

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht sind drei Verdächtige ermittelt worden. Festnahmen habe es noch nicht gegeben, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD). Details wollte er nicht nennen, weil dies die schwierigen Ermittlungen gefährden könnte.

Zuvor hatte es massive Kritik an den Ermittlungen gegeben. Bis Mittwoch sind 90 Anzeigen wegen sexuellen Übergriffen und Diebstählen in der Silvesternacht bei der Kölner Polizei eingegangen, darunter zwei wegen Vergewaltigung: "Wir haben 90 Anzeigen, darunter sind zwei Anzeigen, in denen ein Tatbestand der Vergewaltigung angezeigt worden ist", sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers dem Radiosender WDR 5.

Verdächtige gab es zunächst nicht, obwohl es sich bei den Tätern um Gruppen gehandelt haben soll, die teils polizeibekannt sein sollen. Zudem meldeten sich nach den Vorfällen zu Silvester zahlreiche Zeugen. Die Polizei hat inzwischen eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kritisierte den Polizeieinsatz. So könne die Polizei nicht arbeiten. Es könne nicht sein, dass erst der Bahnhofsvorplatz geräumt werde, "und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung Tagesthemen. Auch die Kölner Polizei räumte Fehler in der Silvesternacht ein. Polizeipräsident Wolfgang Albers schloss einen Rücktritt jedoch aus.

NRW-Innenminister Jäger nahm die Polizei gegen die Vorwürfe de Maizières in Schutz. Zunächst müsse der Einsatz im Detail dokumentiert werden, bevor er bewertet werde. Allerdings forderte auch Jäger Konsequenzen aus den Vorfällen: Die Kölner Polizei und die für den Hauptbahnhof zuständige Bundespolizei müssten erklären, wie es zu den Übergriffen kommen konnte. Er erwarte noch in dieser Woche einen "sehr detaillierten Bericht". Zudem müssten Ermittlungen und Strafverfolgung konsequent vorangetrieben werden. Die Innenminister der Union wollen die Vorfälle in Köln bei ihrem Treffen Mitte Januar in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) beraten.

Ähnliches Vorgehen auch in Hamburg

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig forderte einen konsequenten Schutz von Frauen durch die Polizei. Es dürfe jetzt keine Debatte darüber geben, ob Frauen ihr Verhalten ändern müssten, sagte die SPD-Politikerin. "Die Männer, die so etwas machen, müssen ihr Verhalten ändern, und vor allem müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden." Zu den Werten in Deutschland gehöre der Respekt vor Frauen. "Die Zeiten, wo wir Frauen uns nicht frei bewegen dürfen, wo wir keine Miniröcke tragen dürfen, diese Zeiten sind vorbei."

Flüchtlinge dürften nicht pauschal solcher Straftaten verdächtigt werden, aber auch sie müssten sich an die geltenden Werte halten, sagte die Ministerin. "Wer sich an diese Werte nicht hält, wer Straftaten auch gegenüber Frauen begeht, der hat sein Gastrecht verwirkt." Es müsse offen darüber gesprochen werden, wenn Männer, die aus anderen Ländern kommen, Frauen nicht respektierten.

Nicht nur in Köln wurden etliche Anzeigen registriert, sexuelle Übergriffe gab es an Silvester auch in Hamburg. Auf der Reeperbahn wurden Frauen nach Polizeiangaben jeweils von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht. Laut Justizminister Heiko Maas (SPD) könnte es bei den Tätern in beiden Städten Absprachen gegeben haben.

Die Hamburger Polizei geht aber nicht von koordinierten Taten aus. "Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass es da Verbindungen gibt", sagte ein Polizeisprecher. Man stehe aber mit den Kölner Kollegen in Kontakt.

Bislang sind bei der Hamburger Polizei 53 Strafanzeigen gestellt worden. In 39 Fällen gehe es um sexuelle Belästigung, bei den anderen 14 Taten handele es sich zudem um einen Raub oder einen Diebstahl, teilte die Polizei mit. Die Frauen seien zwischen 18 und 25 Jahren alt. Zur Aufklärung der Taten habe Polizeipräsident Ralf Martin Meyer eine Ermittlungsgruppe eingesetzt. Zu der Kommission gehörten Kriminalbeamte des Fachkommissariats für Sexualdelikte und Spezialisten für Taschendiebstähle. Die Polizei hatte mögliche weitere betroffene Frauen und Zeugen aufgerufen, sich zu melden.

Köln - Harte Strafen, mehr Polizeipräsenz und Überwachung Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker fordert eine harte Antwort des Rechtsstaates auf die Vorfälle der Silvesternacht und Maßnahmen, die ähnliche Übergriffe in Zukunft verhindern.