Das vermeintlich entführte und vergewaltige deutsch-russische Mädchen aus Berlin verbrachte die Nacht vom 11. auf den 12. Januar bei einem Bekannten. Die Auswertung der Handydaten habe ergeben, dass sie sich bei einem 19-jährigen Mann aufgehalten hatte, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner. Hintergrund seien schulische Probleme gewesen. "Es gibt keine Hinweise auf Sexualstraftaten in dem Zusammenhang", sagte Steltner.

In der Wohnung des jungen Mannes, der noch bei seiner Mutter lebt, seien Sachen des Kindes gefunden worden, sagte Steltner. Mutter und Sohn seien daraufhin befragt worden. "Demnach hat die 13-Jährige dort Unterschlupf gesucht und gefunden", sagte Steltner.

Bereits am 18. Januar hatten Auswertungen des Landeskriminalamtes ergeben, dass die 13-Jährige nicht vergewaltigt wurde. Weil es keine Hinweise auf eine Sexualstraftat gibt, werde gegen den Mann auch nicht ermittelt, sagte der Polizeisprecher. Der 19-Jährige sei nur ein Zeuge. 

Ermittelt wird weiterhin gegen zwei junge Männer wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie werden verdächtigt, in den Monaten vor dem Verschwinden des Mädchens sexuelle Kontakte zu ihr gehabt zu haben. Die Polizei geht davon aus, dass die 13-Jährige die Männer schon über Monate kannte. Weil das Mädchen jünger als 14 Jahre ist, ist auch freiwilliger Sex mit Erwachsenen strafbar.

Vier Versionen bei Befragungen des Mädchens

Das Mädchen war am 11. Januar vermisst gemeldet worden und war für 30 Stunden verschwunden. Nach ihrem Auftauchen hatte sie Medienberichten zufolge behauptet, von drei "südländisch" aussehenden Migranten entführt und vergewaltigt worden zu sein. Bei ihren Befragungen präsentierte das Mädchen vier verschiedene Versionen für die Zeit ihres Verschwindens.

Nachdem der Fall öffentlich bekannt wurde, gab es in mehreren Städten Kundgebungen unter Beteiligung von russischstämmigen Demonstranten und Rechtspopulisten. Russische Medien veröffentlichten Fotos, den vollen Namen des Mädchens und heizten die Stimmung zusätzlich an. Der Fall löste auch politische Verstimmung aus. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warf den deutschen Behörden vor, den Fall lange verheimlicht zu haben. Die Bundesregierung warnte davor, den Fall politisch zu instrumentalisieren. 

Am Freitag kündigte die russische Führung ein Telefonat mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier an. Das Gespräch werde noch am (heutigen) Freitag erfolgen, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau. Sie gab deutschen Behörden die Hauptschuld an dem Konflikt zwischen Moskau und Berlin.