Erstmals hat Beate Zschäpe auf Nachfragen des Gerichts geantwortet, in der Sache gab es allerdings nicht viel Neues: Gegenüber den NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sei sie machtlos gewesen, ließ Zschäpe verlesen. "Sie ließen sich von mir nicht beeinflussen. Sie ließen sich von mir auch nichts sagen", ließ sie ihre Anwälte zu Fragen des Gerichts erklären. Bei den dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angelasteten Taten hätten Böhnhardt und Mundlos sie weder für die Planung noch für die Ausführung gebraucht.

Sie habe sich resigniert in den Alkohol geflüchtet: "Für mich waren die Tage nur mit dem Konsum von Sekt, den ich bei Aldi oder Penny kaufte, erträglich", ließ Zschäpe ihren Verteidiger Hermann Borchert verlesen. In den Jahren bis zum Auffliegen des NSU sei sie regelmäßig angetrunken oder betrunken gewesen. Ein weiteres Mal gab sie an, dass ihre Freunde Böhnhardt und Mundlos die Taten begangen und sie jeweils danach informiert hatten. Böhnhardt und Mundlos brachten sich bei ihrer Enttarnung im Jahr 2011 den Ermittlungen zufolge selbst um.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin nannte in der Erklärung mehrere Neonazis als Helfer – die meisten davon sind jedoch bekannt, einige von ihnen wurden bereits im Prozess als Zeugen gehört. So habe der Anführer der Chemnitzer Blood & Honour-Gruppe, Jan W., eine Waffe beschafft, hieß es in Zschäpes Erklärung. Das habe ihr Böhnhardt erzählt. Dabei sei auch von einem Schalldämpfer die Rede gewesen. Darüber hinaus nannte sie die Namen weiterer Helfer, die Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bei sich versteckten, Wohnungen mieteten oder Papiere oder Krankenkassenkarten zur Verfügung stellten.

Ein besonders enges Verhältnis habe sie zu dem als Terrorhelfer angeklagten André E. und dessen Frau gehabt. Mit der Frau sei sie befreundet gewesen und habe diese ab 2006 bis zum Auffliegen des NSU regelmäßig getroffen. Meist seien sie mit den Kindern der Familie E. auf einen Spielplatz gegangen.

Zschäpe hatte erstmals im Dezember ihr jahrelanges Schweigen gebrochen und ihren Anwalt Mathias Grasel eine lange Erklärung verlesen lassen. Darin bestritt sie, vorab von den Morden gewusst zu haben, die dem NSU angelastet werden. Anschließend hatte Richter Götzl einen Katalog von 54 Nachfragen gestellt, etwa, was sie über die Beschaffung der Waffen wisse und zu Details des Untergrundlebens mit Mundlos und Böhnhardt. Die Antworten wurden nun, fast zwei Monate später, vor Gericht verlesen.

Zur Ermordung der Heilbronner Polizistin könne sie keine Angaben machen, hieß es in der Erklärung. Dies war eine der konkreten Nachfragen des Gerichts. Sie habe aber nicht geglaubt, dass die Ermordung Michèle Kiesewetters nur den Waffen gedient habe. Bis zum Tod von Mundlos und Böhnhardt hätte es dazu aber kein Gespräch mehr gegeben.

Zschäpe ist als Mittäterin der zehn Morde und zwei Bombenanschläge, die der mutmaßlichen Terrorgruppe NSU angelastet werden, angeklagt. Mit ihr vor Gericht stehen vier mutmaßliche Helfer des NSU. Zschäpes Einlassung hatte sich verzögert, weil der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben Befangenheitsanträge gegen zwei Richter gestellt hatte, neben Götzl auch gegen seine Beisitzerin Michaela Odersky.