Drei Wochen nach den Übergriffen auf Frauen in Köln gehen die Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen nicht davon aus, dass die Taten organisiert oder gesteuert wurden. "Dass es bundesweit – wie wohl auch in anderen europäischen Staaten – zu vergleichbaren Straftaten gekommen ist, lässt nach wie vor darauf schließen, dass die Delikte nicht zeitlich oder hierarchisch organisatorisch vorgeplant wurden", heißt es in einem Bericht des Landesinnenministeriums, der ZEIT ONLINE vorliegt.

Darüber hinaus haben die Behörden nur wenige Erkenntnisse darüber, wie es dazu kommen konnte, dass aus einer Ansammlung von etwa 1.000 Menschen heraus massenhaft Frauen begrapscht, ausgeraubt und sexuell belästigt wurden. "Gesicherte Erkenntnisse, inwieweit die sexuell motivierten Massenübergriffe in Köln durch eine oder mehrere voneinander unabhängig agierende Gruppierungen erfolgten, liegen weiterhin nicht vor", heißt es in dem Bericht.

Nur eines scheint bislang klar: Es gebe "deutliche Hinweise" darauf, "dass die Straftaten von unterschiedlichen Tätern/Tätergruppen begangen wurden." Das Ministerium halte es daher für "sehr wahrscheinlich, dass "gruppendynamische Prozesse und Abstimmungen die jeweiligen Einzel- und Folgetaten in der Silvesternacht beeinflussten."

Der Bericht listet allein für Köln 821 angezeigte Straftaten mit 1.049 Geschädigten auf. In Dortmund wurden 28 Straftaten angezeigt, in Düsseldorf 113 und in Bielefeld 18.

In Bezug auf die sexuellen Übergriffe geht das Innenministerium davon aus, dass das "kriminelle Vorgehen der Straftäter zumeist offenbar vorrangig sexuell motiviert und nicht immer sogleich auf die Erlangung von Diebesgut ausgerichtet war." Darauf wiesen Art und Anzahl der körperlichen Angriffe hin.

Der Verdacht richtet sich in Köln laut Bericht gegen 30 Personen. 15 Verdächtige sind demnach Asylbewerber, 11 halten sich vermutlich illegal in Deutschland auf, 2 sind minderjährige unbegleitete Flüchtlinge und 2 haben eine Aufenthaltsgenehmigung. Von den 30 Verdächtigen stammen 25 aus Marokko und Algerien. 7 Personen sitzen in U-Haft.