Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) hat mitgeteilt, dass der Angreifer von Paris sich mit mindestens sieben verschiedenen Identitäten ausgewiesen hat. "Er war bei verschiedenen Behörden unter verschiedenen Namen bekannt", sagte LKA-Sprecher Uwe Jacob bei einer Pressekonferenz. Seine echte Identität und auch seine Nationalität habe noch nicht geklärt werden können.

Der Polizei war der Mann als Walid Salihi bekannt. Unter diesem Namen reiste er erstmals am 1. Dezember 2013 nach Deutschland ein. Vorher habe er sich offenbar fünf Jahre lang illegal in Frankreich aufgehalten. Er sei in Deutschland mehrfach straffällig geworden, zum ersten Mal im Mai 2014. Er wurde unter anderem wegen Drogenhandel mehrfach verurteilt. Zur Last gelegt werden ihm auch schwere Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung. In einem Fall sei er auch sexuell übergriffig geworden. Am 30. November 2015 wurde er in Deutschland letztmalig straffällig – wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Bei der Durchsuchung in der Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen habe man jedoch lediglich eine Gaspistole gefunden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er Anschläge in Deutschland geplant habe, sagte Jacob. Das einzige politisch motivierte Delikt, das Salihi in Deutschland zur Last gelegt wird, sind die IS-Fahnen, die in der Unterkunft gefunden wurden und die er gezeichnet haben soll.

Zu dem Angriff in Frankreich sagte Jacob: "Wir gehen bisher – wie die französischen Behörden – davon aus, dass es die Tat eines Einzelnen war." Auch der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte den Sendern Europe 1 und iTélé, seiner Kenntnis nach habe der junge Mann keine Komplizen gehabt.

Im August soll der Mann unter dem Namen Walid Salihi in Recklinghausen Asyl beantragt haben. Im Dezember soll er nach Frankreich gereist sein. Anfang Januar sei er kurz nach Deutschland zurückgekehrt. Zum Jahreswechsel habe er sich demnach nicht in Deutschland befunden. Der Mann habe sich auch in Luxemburg und Schweden aufgehalten; von Schweden sei er nach Deutschland ausgeliefert worden. 

Der Mann hatte eine Aufenthaltsgestattung der Stadt Recklinghausen. Ob die Ausländerbehörde, bei der Salihi einen Asylantrag stellte, seine Identität überprüfte und warum ihr die anderen Identitäten nicht auffielen, wollte der LKA-Chef nicht kommentieren.

Der Angreifer hatte am Jahrestag des Anschlags auf die Satirezeitung Charlie Hebdo am Donnerstag mit einem Metzgerbeil bewaffnet und "Allahu Akbar" (Gott ist groß) rufend Polizisten vor einem Kommissariat im Pariser Viertel Goutte d'Or attackiert. Die wachhabenden Polizisten erschossen den Mann, der auch eine Sprengstoffgürtel-Attrappe trug.

Frankreich geht von tunesischer Identität aus

Bei der Leiche war ein Bekennerschreiben mit einer aufgemalten Fahne der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gefunden worden, in dem der Mann IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwört.

Nach einem Hinweis der französischen Sicherheitsbehörden untersuchten Polizisten am späten Samstagabend die Wohnung des Mannes auf dem Gelände der Asylbewerberunterkunft. Das LKA setzte eine eigene Ermittlungskommission ein: Diese stimme sich eng mit den französischen Sicherheitsbehörden ab.

Aus französischen Ermittlerkreisen hieß es, der Tote sei als ein Tunesier namens Tarek Belgacem identifiziert worden. Ein tunesisches Paar, das sich als Tareks Eltern vorstellte, bestätigte am Samstag, dass sich ihr Sohn kürzlich in Deutschland aufgehalten habe. Ihr Sohn habe sie von dort aus gebeten, ihm Auszüge aus dem Geburtsregister zu schicken und sei nur wegen seines Passes auf dem Pariser Kommissariat gewesen, sagte die Frau dem tunesischen Radiosender Sabra FM. Die Mutter warf den französischen Behörden vor, ihren Sohn grundlos getötet zu haben.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) zeigte sich bestürzt, dass der Attentäter in einer Asylbewerberunterkunft seiner Stadt gelebt hatte. Er wolle nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden "sehr intensiv daran arbeiten", dass sich Islamisten nicht "in unseren Einrichtungen verstecken können", sagte Tesche.