Hollywood-Star Sean Penn ist für sein Treffen mit dem mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán scharf kritisiert worden.  Das "sogenannte Interview" werfe Fragen an Penn und andere Beteiligte auf, sagte der Stabschef von US-Präsident Barack Obama, Denis McDonough, dem Fernsehsender CNN. McDonough äußerte sich nicht dazu, ob Penns heimliches Treffen Ermittlungen in den USA nach sich ziehen könne. Guzmán soll nun an die USA ausgeliefert werden. Nach mexikanischen Angaben hat das Verfahren dazu nun offiziell begonnen.

Scharfe Kritik kam auch von dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ein Schauspieler, der den Vereinigten Staaten seine Karriere verdankt, habe natürlich das "verfassungsmäßige Recht, sich bei einem Verbrecher und Drogenhändler einzuschleimen", sagte der Senator. "Ich finde das aber grotesk."

Auch in Mexiko sieht man das Interview skeptisch. Penn und die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo, die das Treffen initiiert haben soll, sollten vernommen werden, hieß es aus Ermittlungskreisen. Nach Angaben eines mexikanischen Regierungsvertreters ist noch unklar, ob die Schauspieler mit dem Interview gegen Gesetze verstoßen haben. Zwar könne ein Reporter einen Drogenhändler interviewen. Penn und del Castillo seien aber keine Journalisten, sagte er.

Drei Monate bevor der meistgesuchte Verbrecher Amerikas am Freitag vom mexikanischen Militär geschnappt wurde hatte er den US-Schauspieler Penn im Dschungel empfangen. Im US-Magazin Rolling Stone berichtet der Darsteller in allen Einzelheiten über die Begegnung, der monatelange Geheimverhandlungen vorausgegangen waren.

Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez sagte, die Behörden seien über Treffen Guzmáns mit Regisseuren und Schauspielern im Bilde gewesen und diese hätten bei seiner Ortung geholfen. Der Drogenboss habe offenbar gehofft, es werde ein Film über ihn gedreht. Ein mexikanischer Regierungsmitarbeiter präzisierte am Samstag: "Wir wussten von diesem Treffen." Allerdings wurde der Drogenboss erst rund drei Monate nach seinem Treffen mit Penn verhaftet.

Penn schrieb im Rolling Stone, er habe sich am 2. Oktober sieben Stunden lang mit Guzmán auf einer Dschungellichtung getroffen. Bei einem Tequila habe "El Chapo" dann mit seinen Verbrechen geprahlt: "Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt", gab ihn Penn wieder. "Ich habe eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen."

Auslieferungsverfahren offiziell eröffnet

Unterdessen hat die mexikanische Regierung das Verfahren für eine Ausweisung in die USA begonnen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Demnach haben zwei Beamte von Interpol Mexiko das Gefängnis besucht, in dem Guzmán einsitzt, um zwei Haftbefehle zu vollstrecken. Damit sei das Auslieferungsverfahren offiziell eröffnet worden.

Als nächstes muss ein Richter über die Ausweisung Guzmáns entscheiden. Die Entscheidung wird dann an das Außenministerium weitergeleitet, das grünes Licht für die Ausweisung geben muss. Guzmán habe aber die Möglichkeit, Einspruch gegen die Entscheidung des Ministeriums einzulegen, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.

Bislang weigerten sich die mexikanischen Regierungen, "El Chapo" an die USA auszuliefern, wo er wegen Drogendelikten und Mordes angeklagt werden soll. Am Samstag kündigte die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto nun aber an, die Auslieferung vorzubereiten.