Die russische Regierung hat der Polizei im Streit um die Aufklärung eines vorübergehend verschwundenen deutschrussischen Mädchens in Berlin Vertuschung vorgeworfen. "Es ist klar, dass das Mädchen nicht freiwillig für 30 Stunden verschwunden war", sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. "Die Informationen wurden während ihres Verschwindens aus einem unbekannten Grund sehr lange vertuscht." Er hoffe, dass Migrationsprobleme nicht zum Versuch führten, die Wirklichkeit aus irgendwelchen innenpolitischen Gründen politisch korrekt zu übermalen, sagte Lawrow. "Das wäre falsch."

Das Mädchen hatte laut Medienberichten angegeben, es sei am 11. Januar in Berlin von drei Männern entführt worden, die "südländisch" aussahen und nur gebrochen Deutsch sprachen. Es sei in eine Wohnung verschleppt und dort vergewaltigt und misshandelt worden. Die Berliner Polizei hat die Entführungs- und Vergewaltigungsvorwürfe aber dementiert. "Fakt ist: Nach den Ermittlungen unseres Landeskriminalamts gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung." Das Mädchen sei kurzzeitig als vermisst gemeldet worden und inzwischen wieder zurück.  

Lawrow traut den Angaben offenbar nicht und kündigte eigene Ermittlungen der Regierung an. "Wir arbeiten derzeit mit ihrem Anwalt, mit der Familie, mit der Botschaft", sagte der Außenminister. "Es muss dafür gesorgt werden, dass Wahrheit und Gerechtigkeit siegen."

In Russland hat die angebliche Tat für große Aufmerksamkeit gesorgt, Staatsmedien berichteten ausführlich. In Folge dieser Berichte demonstrierten Hunderte Russlanddeutsche in mehreren Städten Bayerns und Baden-Württembergs sowie in Berlin gegen eine aus ihrer Sicht ausufernde Gewalt durch Ausländer.

Die Berliner Polizei ermittelt inzwischen in dem Fall gegen zwei Männer. Es gehe um den Verdacht, dass es vor dem Verschwinden des Mädchens einvernehmliche Sexualkontakte zu den Männern gab, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Gegen die beiden Männer, die Anfang 20 sein sollen, wird wegen sexuellen Kindesmissbrauchs ermittelt. Die 13-Jährige gilt noch als Kind.

Bislang war von Ermittlungen gegen einen Verdächtigen die Rede gewesen. "Was in der fraglichen Zeit passiert ist, konnten wir bislang aber nicht klären", sagte der Sprecher. Das Mädchen habe widersprüchliche Angaben gemacht.