Die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und die Diskussion über die Gründe und Folgen der Übergriffe werden international wahrgenommen und kommentiert. Vor allem die Debatte über den möglichen Migrationshintergrund der mutmaßlichen Täter, Verknüpfungen zur Flüchtlingspolitik sowie der sexuellen Gewalt gegen Frauen werden von Medien in anderen Ländern aufgegriffen.

Der britische Guardian etwa schreibt, dass Kritiker schnell Angela Merkels Politik der offenen Grenzen gegenüber Flüchtlingen für die Taten verantwortlich gemacht haben, "ungeachtet der Nachdrücklichkeit der Polizei, dass die verdächtigen Täter keine neuen Ankömmlinge sind." Pegida-Anhänger verlangten trotzdem als Reaktion ein Ende der offenen Grenzen und würden sich in ihren Vorbehalten gegen die vielen Flüchtlinge bestätigt sehen.

Aus Sicht der New York Times sind die schwelenden Spannungen hinter der Aufnahme einer Million Flüchtlinge nach Bekanntwerden der Übergriffe offen ausgebrochen. Es sei nicht klar, ob irgendeiner der Täter im vergangenen Jahr als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. Trotzdem seien die Angriffe in Köln und die Reaktionen darauf eine "neue politische Herausforderung für die Kanzlerin." Mit der zunehmenden Zahl von Asylbewerbern und der Herausforderung ihrer Integration wachse die Kritik an Merkel, sie habe die "sozialen und wirtschaftlichen Kosten ihrer Politik nicht ausreichend bedacht". Auch über einwandererfeindliche Kreise hinaus würden die Sorgen lauter, dass die Politik der Bundesregierung einen zu hohen Preis für den sozialen Frieden fordere.

Die auflagenstärkste niederländische Boulevardzeitung De Telegraaf sieht die Vorfälle in Köln als Beleg für das Scheitern der deutschen Willkommenskultur. "Bislang war es opferbereiten Naivlingen – beziehungsweise nützlichen Idioten der Flüchtlingsindustrie – gelungen, diejenigen, die aus wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Erwägungen den Flüchtlingsstrom hinterfragen, in eine unliebsame politische Ecke zu stellen, wo sie nicht hingehören", schreibt die Zeitung. Dabei hätten sie sich der Unterstützung "links angehauchter politisch-korrekter Medien sicher sein" können, die nicht davor zurückgeschreckt hätten, ihren Beitrag zur Manipulierung zu leisten: "Untaten gegen Asylsuchende werden aufgebauscht, Untaten durch Asylsuchende werden bagatellisiert – auch durch verschiedene Behörden." Die Geschehnisse am Hauptbahnhof in Köln und ähnlich in Hamburg und Stuttgart seien eine Folge davon. "Diejenigen, die Europas Tore weit geöffnet haben, dürfen sich nun schuldig fühlen."

Die britische BBC fragt sich zu Köln: "Was lief falsch?" Der Bericht geht auf den Schock und Ärger in Deutschland nach den Übergriffen ein und thematisiert die Kritik an den langsamen Reaktionen von Polizei und Behörden sowie die Kritik an Bürgermeisterin Henriette Rekers Empfehlungen für Frauen. Dabei weist die BBC darauf hin, dass die Gegend um den Dom in Köln "eine bekannte Gefahrenzone für Taschendiebstähle und Raub" sei. Weiter wird über die Kritik an Medien berichtet, sie hätten aus Rücksichtnahme auf Flüchtlinge nicht über den Migrationshintergrund der Täter berichtet. Experten würde aber betonen, dass sexuelle Gewalt unabhängig von ethnischer Herkunft alle Gruppen betreffen. "Zahlen belegen, dass die Mehrheit von Menschen, die sexuelle Angriffe in Deutschland verüben, nicht einen Migrationshintergrund haben."

Die Schweizer Neue Zürcher Zeitung berichtet über die Empörung in Deutschland, die Nachahmer auf den Plan rufen könnte. "Man habe es mit Straftaten einer völlig neuen Dimension zu tun, lautete das einhellige Urteil" von Politik und Behörden. "Das Phänomen ist in Köln seit geraumer Zeit bekannt, bloß nicht in den jetzt erlebten Dimensionen." Dann widmet sich die Zeitung dem Phänomen des Diebstahls, der mit sexuellen Übergriffen verbunden ist: "Eine Nafri genannte zivile Sondereinheit der Polizei beobachtet eine Gruppe nordafrikanischer Intensivtäter. Deren Methode ist stets dieselbe. Sie umtänzeln junge Frauen und kommen ihnen nahe, um Geldbörsen, Mobiltelefone oder auch Gepäckstücke zu entwenden. Wer mit der Abwehr sexueller Gewalt beschäftigt ist, achtet nicht auf sein Eigentum." Es sei nicht auszuschließen, dass das Vorgehen in Köln "auch andernorts alsbald Nachahmer findet."

Der österreichische Standard berichtet neben den Ermittlungen auch über Kritik an Oberbürgermeister Reker und ihren Armlänge-Tipp für Frauen. "Die Reaktionen – etwa bei Twitter unter dem Hashtag #einearmlaenge – pendelten zwischen Spott und scharfer Kritik." Dazu hat die Zeitung online Tweets mit dem Hashtag eingebunden.

Aus Sicht der Washington Post befeuern die Angriffe in Köln die deutsche Debatte über Flüchtlinge. Offizielle in Deutschland würden in Kommentaren zu den Vorfällen sehr fein unterscheiden, um "die Taten einiger weniger nicht einer ganzen Gruppe zuzuordnen." Vor dem Hintergrund der vielen Flüchtlinge würden andere Politiker Nordafrikaner und Araber warnen, sexuelle Angriffe würden nicht toleriert.